Wirtschaft : Mehr in der Tasche

Vermögen der Deutschen steigt um 3,8 Prozent.

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Frankfurt am Main - Trotz der niedrigen Zinsen ist das Geldvermögen der Bundesbürger im vergangenen Jahr nach Berechnungen der DZ Bank deutlich gestiegen. Brutto habe es sich um 5,4 Prozent auf 5,2 Billionen Euro vermehrt. Real nach Abzug der Inflationsrate liege der Zuwachs bei 3,8 Prozent. Absolut entspricht dies einem Zugewinn von 270 Milliarden Euro. Die Gründe für die positive Entwicklung sind nach Angaben der DZ Bank die gute Lage an der Börse, wo die Aktienkurse 2013 im Schnitt um knapp 26 Prozent gestiegen sind, sowie die nach wie vor hohe Sparneigung der Deutschen.

Allein die Kursgewinne an der Börse haben den Besitzern von Aktien, Fonds und Zertifikaten im vergangenen Jahr rund 110 Milliarden Euro zusätzlich auf ihre Depots und Konten gebracht. Dazu kamen weitere 160 Milliarden Euro, die die Bundesbürger zusätzlich gespart haben. Die private Sparquote lag nach Angaben der DZ-Bank-Ökonomen 2013 bei rund 10,3 Prozent und damit so hoch wie ein Jahr zuvor. Vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Zinsen sei dies erstaunlich.

Im Detail hatten die Bundesbürger Ende 2013 rund 40 Prozent und damit 2,1 Billionen Euro ihres Geldvermögens in Sparanlagen investiert, knapp 30 Prozent entfielen auf Versicherungen (1,54 Billionen), rund neun Prozent auf Investmentfonds und nur gut sechs Prozent oder 330 Milliarden Euro auf Aktien.

„Die Wertsteigerung der Geldanlagen hätte erheblich höher ausfallen können", heißt es in der Analyse. Nach wie vor steckten die Deutschen nur einen geringen Teil ihres Geldvermögens in Aktien und andere Anlageformen, die von Kursgewinnen bei Aktien profitieren. Nur rund 13,5 Prozent der Deutschen über 14 Jahre besitzen Aktien oder Fonds. Nach wie vor wirken die negativen Erfahrungen des Börsencrashs von 2001/2002 nach. Zu dieser Zeit hatten 12,9 Millionen Deutsche Geld in Aktien und Fonds investiert. Allerdings hat dies, wie die DZ Bank einräumt, dazu geführt, dass die Deutschen im Jahr 2002 und auch nach dem schwachen Börsenjahr 2008 Einbußen bei ihrem Geldvermögen hinnehmen mussten.

Die Bank weist auch darauf hin, dass sich die Vermögenseffekte aus der niedrigen Aktienquote unterschiedlich verteilen. Männer hätten 2013 profitiert, weil sie im Gegensatz zu Frauen eher bereit seien, Kursrisiken einzugehen. Dies gelte auch regional: In den westlichen Bundesländern sei die Aktienquote höher als im Osten, in Hessen etwa besäßen die Bürger fast dreimal so häufig Aktien und Fonds wie zum Beispiel Anleger in Mecklenburg-Vorpommern.

Für das laufende Jahr erwartet die DZ Bank allerdings einen schwächeren Vermögenszuwachs. Er soll brutto bei 3,6 und real nach Abzug der Inflationsrate bei 1,7 Prozent liegen, so dass das Geldvermögen der Bundesbürger Ende 2014 bei 5,4 Billionen Euro liegen würde. „Das durch das anhaltend niedrige Zinsniveau befürchtete reale Abschmelzen des Geldvermögens sollte in diesem Jahr ausbleiben“, prognostiziert die DZ Bank. „Negative Vermögenseffekte niedriger Zinsen dürften durch Kursgewinne bei Aktien, Fonds und Zertifikaten sowie durch die Spartätigkeit der Bürger kompensiert werden.“

Sollten die Bundesbürger aber wieder mehr Geld in Aktien stecken, besteht nach Ansicht der DZ Bank eine gute Chance, dass die Vermögen stärker zulegen. Die Volkswirte erwarten zum Jahresende beim Deutschen Aktienindex Dax einen Stand von 10 200 Punkten. Das entspräche einem Plus gegenüber Ende 2013 von rund sieben Prozent. Diese Einschätzung teilt zwar die Mehrheit der Analysten. Doch gibt es auch skeptischere Stimmen, die von Kursverlusten ausgehen. Rolf Obertreis

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