Wirtschaft : Mehr Insolvenzfälle: Die neue Ordnung

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Die neue Insolvenzordnung, die am 1. Januar 1999 in Kraft getreten ist, hat die bis dahin geltende Konkurs- und Vergleichsordnung abgelöst. Seitdem haben auch Privatpersonen das Recht, Konkurs anzumelden und sich von ihrer Schuldenlast zu befreien. Bis dahin verjährten Schulden erst nach 30 Jahren. Für die Bankrotteure hieß das: Zwangsvollstreckung, lebenslange Schulden und Abstieg in die Sozialhilfe.

Nach neuem Recht können die schätzungsweise 2,6 Millionen überschuldeten Haushalte in Deutschland zunächst versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit ihrem Gläubiger zu erzielen. Misslingt das, folgt ein gerichtliches Insolvenzverfahren. Der Schuldner muss einen so genannten Schuldenbereinigungsplan vorlegen, auf dessen Grundlage das Gericht versucht, eine Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger zu erreichen.

Kommt auch jetzt eine Einigung nicht zustande, wird ein vereinfachtes Schuldeninsolvenzverfahren durchgeführt. Sieben Jahre lang muss der Schuldner seine Einkünfte bis zur Pfändungsgrenze an seine Gläubiger abtreten. Wenn er sich in dieser Zeit "redlich" verhält, werden ihm seine Restschulden erlassen.

Eine große Hürde sind nach Angaben von Experten die hohen Verfahrenskosten. Bis zu 4000 Mark müssen Verschuldete an Gerichtskosten vorstrecken, wenn sie von den Möglichkeiten des neuen Rechts Gebrauch machen wollen. Darüberhinaus müssen sie ihre Finanzsituation aufschlüsseln und einen Tilgungsplan vorlegen. Diese Unterlagen müssen allen Gläubigern zugestellt werden - was wiederum erhebliche Auslagen für diejenigen bedeutet, die ihre Schulden ohnehin nicht bezahlen können.

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