Wirtschaft : Mehr Jobs durch sozialen Dialog

DIRK HERBERMANN (jdh)

GENF .Warum leiden Österreich, Dänemark, Irland und die Niederlande nicht unter einer hohen Arbeitslosigkeit? Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) gibt Antwort: Sozialer Dialog, ein vernünftiger makroökonomischer Politikmix und eine angemessene Arbeitsmarktpolitik seien die Faktoren, die in allen vier EU-Staaten zu einer relativ erfolgreichen Beschäftigungspolitik geführt hätten.Darüber hinaus listet die ILO eine Reihe länderspezifischer Maßnahmen auf.Im November 1998 meldete Kopenhagen eine Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent, in Den Haag registrierten die Statistiker eine Quote von 3,6 Prozent und nur 4,4 Prozent des österreichischen Erwerbspersonenpotentials stehen auf der Straße.

Damit befinden sich die drei Länder am unteren Ende der EU-Arbeitslosenstatistik.Noch vor sechs Jahren belief sich die Arbeitslosenquote in Dänemark auf 10 Prozent, und in den Niederlanden wurde im Jahr 1982 eine Arbeitslosenrate von 12 Prozent gemessen.Werte, die in etwa an die hohen aktuellen Arbeitslosenquoten in zwei der größten EU-Staaten, Deutschland und Frankreich, erinnern.Irland schaffte es, seine Arbeitslosenquote seit 1985 von 17 auf 7,3 Prozent zu reduzieren.Die grüne Insel liegt damit unter dem Durchschnittswert der EU-Länder von 9,8 Prozent.Während die Niederlande, Irland und Dänemark mit einem intensivierten sozialen Dialog auf ihre wirtschaftlichen Krisen antworteten, pflegt Österreich die Kommunikation zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Regierung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges."Der Dialog hat ein Klima des Vertrauens geschaffen und die moderate Lohnpolitik ist ein Teil der gesamtwirtschaftlichen Stabilisierungspolitik", schreiben die ILO-Experten.Nach Meinung der ILO sollte der Staat sich nicht aus seiner Verantwortung für mehr Beschäftigung verabschieden: "In allen vier Ländern, zumal in Österreich und Dänemark, haben öffentliche Ausgaben einen wichtigen Beitrag zu Wachstum und Beschäftigung geleistet.Allerdings ist der öffentliche Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung gefallen."

Die ILO-Experten lassen keinen Zweifel daran aufkommen, daß gesunde Staatsfinanzen wichtig sind.Schließlich hätten die Arbeitsmarktpolitik sowie Reformen auf dem Arbeitsmarkt zur Erholung in Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Irland beigetragen.Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen heben die Fachleute besonders hervor.Und Sanktionsmechanismen wie in Dänemark: Jugendliche würden dort mit einem gewissen Maß an Zwang von der Straße geholt.Wer angebotene Jobs nicht akzeptiere, verliere seine Arbeitslosenunterstützung.JAN

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