Wirtschaft : Mehr Kontrolle für die Weltwirtschaft

DAVOS (rtr).Führende Finanzpolitiker Europas und Japans haben gefordert, daß die internationale Wirtschaftspolitik stärker koordiniert werden müsse.Dazu gehöre auch eine bessere Überwachung der internationalen Kapitalflüsse zur Stabilisierung der Weltwirtschaft.Selbst Vertreter der USA befürworteten bei einer Debatte auf dem Weltwirtschaftsforum am Freitag im schweizerischen Davos eine bessere Abstimmung zwischen den Industrienationen.Einig waren sich die Minister und Vize-Minister aus den USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, daß ein höheres Wirtschaftswachstum Ziel aller nationalen und internationalen Anstrengungen sein müsse.

Der deutsche Finanzstaatssekretär Heiner Flassbeck ging am weitesten.Er forderte eine Stimulierung der inländischen Nachfrage insbesondere in Deutschland und Europa, auch um einer drohenden Deflation entgegenzuwirken.Erstmals seit 50 Jahren gebe es einen Abschwung, der mit einer Inflationsrate von nahezu Null verbunden sei, sagte er in Davos.Der französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn sagte, die Kooperation zwischen Europa, den USA und Japan sei die wichtigste Aufgabe dieses Jahres.Der stellvertretende US-Finanzminister Lawrence Summers ermutigte Europa und Japan zu einer aktiven Wachstumspolitik.

Die Weltwirtschaft könne nicht auf Dauer allein vom US-Wachstum angetrieben werden, sagte er.Auch er halte die Zusammenarbeit der großen Industrienationen für wünschenswert, sei aber skeptisch, ob das allein helfe.Verhalten beurteilte er auch die Forderungen insbesondere Deutschlands, Frankreichs und Japans nach einer neuen internationalen Finanzarchitektur: "Ich bin nicht sicher, ob es einfache Antworten auf diese Fragen gibt", sagte er.

Der japanische Vize-Finanzminister Eisuke Sakakibara verlangte dagegen schnelle Entscheidungen zugunsten einer neuen globalen Finanzordnung.Sein Land sei auf dem besten Weg aus der Krise.Er sei zuversichtlich, daß Japan noch in diesem Jahr die Folgen der eigenen Finanzkrise überwinden werde.Die Ursachen der regionalen Finanzkrisen und Strategien zur Krisenverhütung sind eines der Schwerpunktthemen des Davoser Treffens, an dem mehr als 1000 Führungskräfte der Wirtschaft sowie Staats- und Regierungschefs und Minister teilnehmen.

Am Rande des Weltwirtschaftsforums kündigte der US-Vizepräsident Al Gore an, daß die USA einen umfangreichen Schuldenerlaß für die ärmsten Länder der Erde planen.US-Präsident Bill Clinton werde im kommenden Budget der USA erhebliche Mittel zur Finanzierung des Schuldenerlasses bereitstellen, sagte Gore.Gore forderte vor allem die Industrienationen der Welt zu Reformen auf: Europa müsse seine Subventionen abbauen, Japan die Reform des Finanzsektors fortsetzen und die USA hätten die Aufgabe, protektionistischen Tendenzen zu widerstehen..Damit aus der weltweiten Finanzkrise des Jahres 1998 in diesem Jahr keine Welthandelskrise werde, müßten die Industrienationen die Bedingungen für stärkeres Wachstum in der Weltwirtschaft schaffe, forderte Gore.

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