Wirtschaft : Mehr Leistungsanreize für Manager gefordert

BERLIN (hor).Mitarbeitermotivation und Anreizsysteme stehen im Mittelpunkt des 52.Deutschen Betriebswirtschafter-Tages der Schmalenbach-Gesellschaft, der am Montag in Berlin eröffnet wurde und heute zu Ende geht.Die etwa 550 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis fordern eine Anpassung des Personalmanagements an internationale Verhältnisse, und somit eine höhere Ergebnisbeteiligung der Mitarbeiter.Während Vertreter der Unternehmen konkrete Motivationsmodelle aus ihren Firmen vorstelle, erörtete Joachim Schwalbach, Professor an der Humboldt Universität Berlin am Montag den Stand der Forschung.

Die Teilnehmer stimmten überein, daß die Mitarbeiter stärker als bisher am Unternehmensergebnis beteiligt werden müßten.Eine höhere Motivation bedeute mehr Leistung, die entsprechend honoriert werden müsse.Dies könne in Form von finanziellen Anreizen oder Aktienoptionen für die Mitarbeiter geschehen.Auch die Relation von fixem Einkommen und erfolgsabhängigem Zuschlag müsse sich unbedingt ändern, forderte Mannesmann-Vorstandsmitglied und Präsident der Schmalenbach-Gesellschaft Klaus Esser.Der Anteil des variablen Lohnes sei immer noch zu gering.Ziel sei es, die Mitarbeiter für einen langfristig angelegten Unternehmenserfolg zu motivieren.Durch Unternehmensbeteiligungen könnten die Mitarbeiter mit dem steigenden Aktienkurs am Gewinn und auch an den Erfolgsaussichten des Unternehmens teilhaben.Da es sich hier um Risikoeinkommen handelt, könnte sich dies bei Verlusten allerdings auch negativ auf den Lohn auswirken, sagte Esser.

Theo Siegert, Vorstandsmitglied der Franz Haniel & Cie.GmbH, verspricht sich einen Motivationsschub durch Aktien-Optionen vor allem bei Firmen, die sich in einer Wachstumsphase ihres Lebenszyklusses befinden.Die Interessen dieser Mitarbeiter würden sich dann parallel zu denen der Aktionäre gestalten.Allerdings seien nur ausgewogene Anreizprogramme sinnvoll, die sowohl den Aufwand ("shareholder cost") als auch dessen Ergebnis ausreichend berücksichtigen, so Siegert.Er beabsichtigt, derartige Motivationsprogramme auf alle Mitarbeiterebenen auszudehnen.Bei Haniel stieg beispielsweise die Zahl der Bezugsberechtigten von 100 im vergangenen auf 350 Mitarbeiter in diesem Jahr an.Das mittlere Management und Mitarbeiter in niedrigeren Gehaltsstufen sollten jedoch gegen konjunkturelle Schwankungen abgesichert werden, damit ein gewisses Einkommensniveau nicht unterschritten werde.Hier müsse man genau differenzieren."Ein Pförtner wird in solchen Fällen anders behandelt als der Topmanager", sagte Siegert.

Nach Angaben von Professor Joachim Schwalbach zeige sich, daß der variable Anteil des Einkommens, je nach Hierarchieebene, zwischen zehn und 50 Prozent beträgt.Finanzielle Anreize führten aber selten zu besseren Arbeitsergebnissen.Dies gelte auch für Aktien-Optionen.Deshalb müßten die Anreizkomponenten effizient kombiniert werden, dann hätten Optionspläne eine große Bedeutung, so Schwalbach.

Die bundesweit 2000 Mitglieder der Schmalenbach-Gesellschaft setzen sich zu etwa zwei Dritteln aus Wirtschaftsvertretern und zu einem Drittel aus Wissenschaftlern zusammmen.Die Arbeit beim Kongreß in Berlin und in Arbeitskreisen sei "die institutionelle Chance zur Zusammenarbeit von Praxis und Theorie", sagte Präsident Klaus Esser.

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