Wirtschaft : Mehr Licht!

Heller wohnen in der dunklen Jahreszeit: Wie man mit schönen Lampen durch den Winter kommt

Henrik Mortsiefer

Licht ist Philosophie – und Lampen bringen die Erleuchtung. Wer in den ersten Tagen der neuen Winterzeit durch die Läden läuft und die richtige Lampe für die dunklen Monate sucht, kann sein profanes Konsumanliegen schnell aus den Augen verlieren. „Licht ist ein Begleiter des Menschen und Quelle körperlichen und seelischen Wohlbefindens“, wirbt der Hersteller Artemide für seine Lampen. „Feel the light“, fordert der Lampenbauer Oligo. Und die Designer der Serien Raumleuchten wissen: „Licht geben ist eine gestalterische Aufgabe.“

In der Tat. Ob von der Decke oder an der Wand hängend, am Boden oder auf dem Tisch stehend, als System oder Solitär, als Objekt oder Gebrauchsgegenstand – Lampen sind längst keine simplen Lichtspender mehr. Sie geben Wohnräumen Atmosphäre, sie dokumentieren Geschmack und Stil – und sie kommen erst jetzt, wenn die Tage kürzer werden, richtig zur Geltung.

Heller wohnen, auch im Winter. Nicht jedem ist vergönnt, in einer Wohnung zu leben, in die das ganze Jahr über ausreichend Tageslicht fällt. Obwohl das am besten wäre. 100000 Lux, das ist die Einheit der Beleuchtungsstärke, ist der Mensch an Sonnentagen gewöhnt. 20000 Lux sind es bei Bewölkung. In geschlossenen Räumen dagegen fällt die Beleuchtungstärke häufig auf Werte von weniger als 500 Lux ab. Da muss nachgeholfen werden.

Schon den morgendlichen Aufenthalt im Bad sollte man richtig ausleuchten, damit die Winterdepression keine Chance hat. „Morgens hat das Licht die höchste Farbtemperatur, es ist sogar leicht bläulich“, sagt Christian Bartenbach, habilitierter Elektrotechniker, der sich seit 40 Jahren mit der Psychologie des Lichts beschäftigt. „Dem sollte das Kunstlichtspektrum Rechnung tragen.“ Das heißt: Ins Bad gehören aufmunternde, wach machende Lichtquellen.

Dass Leuchtstoff- oder Neonröhre dabei tabu, weil zu hässlich sind, widerlegt die Firma Ribag Licht. Sie bietet den feinen Lochblechdiffusor aus Aluminium, der – elegant vor die Lichtröhre gesetzt – ein helles, aber nicht kaltes Licht verbreitet. In unterschiedlichen Längen erhältlich, kostet die an der Wand verschraubbare Fassung nebst Leuchtkörper um die 200 Euro. Das Lochblech ist für 40 und 50 Euro erhältlich. Sparsame Badbenutzer wählen die rustikalere Röhren-Konstruktion: Im Baumarkt – zum Beispiel bei Obi – sind einfache Linienleuchten schon ab 9,99 Euro zu bekommen.

Vom Bad in die Küche. Das Frühstück verträgt schon etwas wärmere Lichtfarben. Doch welche Esstischleuchte aus dem Universum möglicher Formen und Materialien soll es sein? Wer sich nicht festlegen will, findet Alternativen zur fest verankerten Deckenlampe: flexible Systeme, die sich sowohl in der Höhe als auch in der Breite variieren lassen. So reicht das Licht auch dann noch aus, wenn der Esstisch am Abend zur langen Tafel ausgezogen wird. Nutzwert und Design kombiniert das Modell Take Five des Herstellers Serien: Aus Polycarbonat gefertigt (wahlweise in Flaschengrün, Blau, Orange, Weiß oder Schwarz) lässt sich das mit fünf Niedervolt-Spiegelreflektorlampen oder Leuchtstoffröhren bestückte Scherengitter stufenlos ausziehen. Je nach Bedarf fügt sich das System so zu einem kompakten Quadrat paralleler Leuchtstäbe oder zur langen Reihe. Flexibilität hat ihren Preis. Take Five kostet 795 Euro.

Teuer muss gutes Design aber auch in der Küche nicht sein. Ikea etwa bietet mehr als die Alu-Deckenleuchte Lyra (3,95 Euro). Die aus mattem Glas gefertigte Esstischleuchte Gondol der Designer Hagberg zum Beispiel, sieht nach mehr aus – und kostet nur 59 Euro. Lichttechnisch muss in der Küche zusätzlich für eine ausreichende Allgemeinbeleuchtung gesorgt werden. Immer noch beliebt sind Halogenstrahler, die in die Decke eingelassen werden. „Die Halogenwelle hält an“, sagt Ulrich Merker, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Licht (FGL). Halogenlampen sind kleiner und gezielter einsetzbar als Glühbirnen. Und sie werden billiger, weil die Nachfrage gestiegen ist.

Im Wohnzimmer schließlich, wo sich der arbeitende Mensch an langen Winterabenden und grauen Wochenenden entspannt, gilt: Anything goes! Ob kühles Design oder Landhaus-Stil – die Lampenhersteller setzen den Geschmäckern keine Grenzen. „Für das Wohnzimmer mit 20 Quadratmeter Grundfläche sind mindestens drei, besser noch fünf Leuchten die richtige Lösung“, raten die FGL-Experten. Licht-Psychologe Bartenbach empfiehlt zudem „warmes, rötliches Licht mit geringen Intensitäten“. Oder gelb: Foscarini bietet zum Beispiel zur ergänzenden Raumerhellung am Boden liegende Lichtkörper, die, organisch geschwungen, ein warmes, stimmungsvolles Licht verbreiten. Das Modell „Blob M“ aus gelbem Polypropylen (auch in Weiß) kostet 511 Euro. Indirektes Licht geben auch die Hänge-, Steh- oder Wandleuchten „Illustri“ von Anthologie. Nicht für jeden Geschmack, dafür selten: Ein wildes Knäuel aus feinen Endlos-Papierstreifen windet sich um eine Lichtquelle. Der Preis für das schicke Chaos: 315 Euro.

„Leuchten sind so individuell wie Lippenstifte“, sagt Marina Stinner, Geschäftsführerin der Berliner Freilicht GmbH. Sie verkauft die guten und teuren Stücke der Designer. Genormte Licht-Empfehlungen? Fehlanzeige. Frau Stinner wandelt im Firmenmotto lieber Goethe ab: „Mach doch mal Licht!“

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