Wirtschaft : Mehr Macht für China und Indien G-20-Staaten einigen sich auf Reform des IWF

Kyongju - Die Finanzminister der Gruppe der 20 einflussreichsten Wirtschaftsnationen haben sich auf die bislang umfassendste Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) geeinigt. Im südkoreanischen Kyongju vereinbarten sie am Samstag, den Schwellenländern mehr Macht einzuräumen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sprach von der „bislang größten Reform“ in der Geschichte des IWF. Zu den zehn IWF-Staaten mit den höchsten Stimmenanteilen sollen künftig außer den USA, Japan sowie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien die aufstrebenden Staaten Brasilien, Russland, Indien und China gehören. Die Reform sieht außerdem vor, dass der IWF mehr Geld sowie mehr Befugnisse bei der Überwachung der Wirtschaftspolitik der Staaten erhält.

Die Reform werde den IWF „effektiver, glaubwürdiger und legitimer“ machen, hieß es in der gemeinsamen Erklärung zum Abschluss des Treffens. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vertrat, erklärte, die G-20 habe „Handlungsfähigkeit bewiesen“. Der IWF-Verwaltungsrat muss die Einigung noch absegnen. Die Reform hat zur Folge, dass die Europäer zwei Sitze im Verwaltungsrat abgeben müssen.

Im Währungsstreit sprachen sich die Minister gegen einen Wettlauf von Währungsabwertungen aus. Die Gruppe wolle sich in Richtung von Wechselkurssystemen bewegen, die stärker von den Marktkräften bestimmt seien. Fortgeschrittene Volkswirtschaften sollten sich mit Blick auf „exzessive Schwankungen und regellose Bewegungen in den Wechselkursen“ wachsam verhalten, erklärten die G-20. China widersetzt sich bislang den Forderungen der USA und Europas nach einer Aufwertung des Yuan, um seine Exporte nicht zu gefährden.

Aber auch der schwache Dollar steht in der Kritik. Wirtschaftsminister Brüderle übte scharfe Kritik an der Geldpolitik der USA. Die Schaffung von mehr Liquidität sei der falsche Weg, sagte er nach dem Treffen. „Eine übermäßige permanente Geldvermehrung ist für mich eine indirekte Manipulation eines Kurses.“

Die USA sprechen sich wiederum für eine Beschränkung des Außenhandelsüberschusses aus. US-Finanzminister Timothy Geithner forderte, dass Länder mit großen Überschüssen ihre Exportabhängigkeit verringern und den Binnenmarkt ankurbeln. Eine explizite Nennung von China oder Deutschland vermied er. Chinas Finanzminister Xie Xuren forderte die Länder mit als Reserven genutzten Währungen zu einer verantwortungsvollen Wirtschaftspolitik und einer Stabilisierung der Wechselkurse auf. AFP/rtr

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