Wirtschaft : Mehr Mehrweg für das Klima

Umwelthilfe und Getränkehandel propagieren die Wiederverwertung von Flaschen gegen die Zunahme von Einwegverpackungen.

Berlin - Einwegflaschen sind schlecht für das Klima. Jedenfalls nach Meinung des Geschäftsführers der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch: „Über eine Million Tonnen CO2 kann Mehrweg gegenüber einer ausschließlichen Nutzung von Einwegverpackung einsparen“, sagte er am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Initiative „Mehrweg ist Klimaschutz“. Ein Partner der Initiative der Umweltschützer ist der Getränkefachhandel. Über 5000 Geschäfte unterstützen die Initiative und werben mit Plakaten für die Mehrwegflaschen.

Die Wiederverwertung ist ressourcensparend, da im Gegensatz zu Einweg die Verpackung nicht neu produziert werden muss. So sind für bepfandete Einweggetränkeverpackungen aus Plastik pro Jahr 500 000 Tonnen Kunststoff nötig, wofür wiederum vor allem Öl gebraucht wird. „Deutschland ist ein ressourcenarmes Land, das mit seinen Rohstoffen nicht sorgsam genug umgeht“, mahnte Clemens Stroetmann, der Ende der 80er Jahre Staatssekretär im Bundesumweltministerium war und heute Geschäftsführer der Initiative Mehrweg ist. Die neue Kampagne sei wichtig, um auf Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz aufmerksam zu machen. Mehrwegflaschen mit einer 40- bis 60-maligen Wiederbefüllung seien hier ein gutes Vorbild.

Mehrweg lohnt sich vor allem für regionale Betriebe mit geringen Transportwegen und häufiger Abfüllung. Besonders für die Getränkefachmärkte ist das Mehrwegsystem Geschäftsgrundlage: 80 Prozent der verkauften Flaschen sind hier Mehrweg. Große Konzerne mit langen Transportwegen produzieren dagegen häufig Einwegverpackungen, da das Mehrwegsystem für sie logistisch aufwendiger ist.

Vor dieser Einwegproduktion warnte Resch: „Wir erleben derzeit massive Angriffe großer Konzerne auf das Mehrwegsystem“, sagte der DUH-Chef. Die Mehrwegquote sei über die Jahre immer mehr gesunken und liege beispielsweise im Bereich der Fruchtsäfte auf einem Tiefstand von acht Prozent. Die Gründe sieht Resch auch bei der Politik, die wie im Falle der Fruchtsäfte Pfandlücken für Einwegflaschen gewährt. Um das Mehrwegsystem zu stärken, fordert das DUH neben der Aufhebung solcher Ausnahmen auch eine zusätzlich zum Pfand wirkende Klimaschutzabgabe von 20 Cent auf Getränkedosen und Einwegflaschen. spi

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