Wirtschaft : Mehr Rechte für Bahnfahrer

Die Bahn arbeitet an besseren Entschädigungsregelungen bei Verspätungen – und an der Pünktlichkeit der Züge

Bernd Hops

Fahrgäste der Deutschen Bahn erhalten voraussichtlich noch in diesem Jahr mehr Rechte bei Verspätungen. Zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Verbraucherschutz- und dem Verkehrsministerium laufen Gespräche. Es gebe zwar „noch keine gemeinsame Lösung“, erfuhr der Tagesspiegel am Sonntag im Verbraucherministerium. Bisher hätten die Gespräche „keine Ergebnisse gehabt“. Trotzdem halte man es aber weiterhin für die beste Lösung, die neuen Regelungen mit dem Unternehmen zu entwickeln als sie per Gesetz festzuschreiben. Die Bahn plant, die neuen Rechte per Änderung ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen umzusetzen.

In jedem Fall sorgt der Konzern bereits vor und arbeitet massiv daran, die Züge pünktlicher fahren zu lassen. Abgesehen vom Imageschaden, die die häufigen Verspätungen vor allem im vergangenen Jahr angerichtet haben, könnte Unpünktlichkeit mit den neuen Fahrgastrechten teuer werden. Schließlich wurde gerade erst eine Regelung für den Luftverkehr in der EU verabschiedet, nach der bei zu großen Verspätungen der komplette Ticketpreis erstattet werden muss. Bisher gibt es bei der Bahn im ICE nach 30 Minuten Verspätung einen Gutschein über zehn Euro, in allen Fernverkehrszügen bei 90 Minuten Unpünktlichkeit dann 25 Euro. Und: Die Regelung basiert nur auf Kulanz.

Ganz so drastisch wie für die Fluggesellschaften dürfte es für die Bahn allerdings auch in Zukunft nicht werden, schätzt der Verkehrsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Otmar Lell: „Trotz Billigflieger steigt man nicht jeden Tag nebenbei ins Flugzeug.“ Deshalb sei der Luftverkehr mit der Bahn nicht ganz zu vergleichen. Eins sollte aber auch bei der Bahn gelten, fordert Lell – standardisierte Entschädigungen je nach Länge der Verspätung. Außerdem: Der Kunde müsse einen eindeutigen Anspruch auf Entschädigung erhalten. Als „Ausgangspunkt“ seien die bisherigen Regelungen dabei aber „ganz in Ordnung“, sagte Lell dem Tagesspiegel.

Unpünktliche Züge wird es auch weiterhin geben, denn nicht jede Verspätung ist von der Bahn selber zu verantworten. Gegen Selbstmörder oder extreme Witterungsbedingungen kann das Unternehmen kaum etwas ausrichten. Aber der Konzern forscht jetzt intensiv nach allen Möglichkeiten, die Pünktlichkeit zu erhöhen. Nach dem Willen von Bahnchef Hartmut Mehdorn sollen bis zum Ende des Jahres 95 Prozent der Fernverkehrszüge im Plan fahren, das heißt maximal fünf Minuten verspätet sein. Im vergangenen Herbst war die Quote deutlich unter 80 Prozent gefallen, Anfang Januar lag sie bei rund 90 Prozent. Damit das so bleibt, verbessert die Bahn ihre Fahrpläne, sagt Martin Walden, Sprecher der Bahntochter DB Netz. So sollen Engpässe beseitigt werden, damit Verspätungen sich nicht über einen ganzen Tag auswirken. Auf den Bahnsteigen wird mehr Personal eingesetzt, um die Zugabfertigung zu beschleunigen. „Es gibt auch viele andere Möglichkeiten, die kein Geld kosten“, sagt Walden. So würden Mitarbeiter geschult, genau auf die Zeiten zu achten.

Eine weitere große Ursache für Verspätungen – technische Probleme wie beim neuen ICE 3 – ist weitgehend behoben, sagt Claudia Wachowitz, Sprecherin für den Bahnpersonenverkehr. Die Fahrzeuge seien wesentlich verlässlicher geworden. Die Technik sei aber „immer noch ein Thema“. Das gilt auch für Nordrhein-Westfalen. Die Fahrgäste in dem Bundesland mussten im vergangenen Herbst besonders unter Verspätungen im Regionalverkehr leiden. Auch wenn die Bahn das Problem mit dem Schmierfilm, der sich durch Laub auf den Schienen bildet, seit Jahrzehnten kennt, waren die Probleme 2003 besonders groß. Der Grund seien Probleme mit einem neuen Zugtyp gewesen, sagt Jürgen Kugelmann, Bahnsprecher in NRW. Die Werkstätten waren voll, Verspätungen häuften sich. Jetzt wird an besseren Bremsen gearbeitet. Im kommenden Herbst sollen außerdem mehr Wartungskapazitäten zur Verfügung stehen, sagt Kugelmann. Um schneller zu arbeiten, wurden zwei mobile Unterflurdrehbänke angeschafft. Umsonst ist das nicht. Nüchtern sagt Kugelmann: „Das hat alles Geld gekostet.“

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