Wirtschaft : Mehr Verstand liegt bei Bill Gates (Kommentar)

Rainer Hank

Den gesunden Menschenverstand kann es nur einmal geben. Was aber tun, wenn streitende Parteien auf den Common Sense setzen? So tut es jetzt Bill Gates, der auf eine Revision im Microsoft-Prozess hofft. Doch auch die Richter in Washington haben keine andere Quelle als den gemeinen Verstand: Sie urteilen nicht nur im Namen des Volkes, sondern stellen die Allgemeinheit sogar in Gestalt des Kunden in den Mittelpunkt ihrer Begründung. Der Computer-Kunde müsse die Vormachtstellung des Konzerns mit höheren Preisen bezahlen. Deshalb gehöre das Unternehmen bestraft, sagen sie. Wer also hat Recht? Das Urteil der Börsen, die am Dienstag wieder mit Kursabschlägen reagierten, ist nicht zielführend. Denn die Finanzmärkte kommentieren den Effekt des Urteils, nicht den Wahrheitsgehalt. Bei genauerer Betrachtung neigt sich die Waage eher zu Bill Gates. Zwar ist unbestritten, dass Wettbewerbsbehörden funktionierenden Märkten einen Dienst erweisen; sie sorgen dafür, dass Anbieter und Nachfrager ungehindert zueinander kommen. Hat Microsoft die Kunden wirklich daran gehindert, Netscape Navigator zu installieren? Kaum. Niemand ist gezwungen, mit Internet Explorer zu arbeiten, nur weil er Windows gekauft hat. Ohnehin ist eine Monopolstellung, die dadurch zustande kommt, dass sie den technischen Fortschritt ausnützt, milder zu beurteilen als eine willkürliche Begrenzung des Marktzugangs durch Kartellabsprachen. Auch das spricht dafür, dass Bill Gates näher am allgemeinen Empfinden liegt. Niemand bezweifelt, dass Microsoft eine überragende Markstellung hat. Das aber fordert nicht nur die Gerichte, sondern auch die Konkurrenz zum Angriff geradezu heraus. IBM kann davon eine Geschichte erzählen. Das Betriebssystem Linux ist mit seiner Strategie gegen Micorsoft schon weit gediehen. Dieser Bruch von Marktmacht ist aussichtsreicher als Richter es vermögen.

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