Wirtschaft : Mehr Wachstum – geringe Wirkung

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KAUM NEUE JOBS

Für 2006 sind sich die Wirtschaftsforscher einig: Es wird einen leichten Aufschwung geben – eine spürbare Entlastung am Arbeitsmarkt steht aber nicht bevor. Die meisten Institute gehen von einer Arbeitslosenzahl im Jahresschnitt von rund 4,75 Millionen aus. Nur das Münchener Ifo-Institut ist etwas optimistischer und sieht einen Rückgang auf 4,67 Millionen. 2005 waren im Jahresmittel 4,86 Millionen Menschen ohne Arbeit – bestenfalls gibt es also eine Entlastung um gut 200 000. Schwer zu prognostizieren ist für die Ökonomen allerdings, wie viele Ein-Euro-Arbeitskräfte von den Kommunen beschäftigt werden. Sie werden in der Statistik nicht mehr als arbeitslos gezählt.

KONSUM BELEBT NICHT

Selbst die wahrscheinliche Belebung des Konsums vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer 2007 wird das Bild nicht entscheidend verbessern, glaubt etwa das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Denn in Spitzenzeiten nutzten die Unternehmen einfach Arbeitszeitkonten und Überstunden, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Als Beschäftigungsfaktor bleibt allein die Fußball-Weltmeisterschaft – doch hier dürften vorwiegend Saisonkräfte in Hotels und Gastronomie zum Einsatz kommen.

PROBLEM OSTDEUTSCHLAND In den ostdeutschen Bundesländern wird sich der Arbeitsmarkt etwas schlechter entwickeln als in den westdeutschen. Grund: Der Osten profitiert weniger vom Exportboom und hat daher weniger Bedarf an neuem Personal. Doch auch im Westen dürfte sich die Wirtschaft weiter wandeln: Die Zahl der Jobs in der Industrie, auf dem Bau und in der Landwirtschaft geht seit Jahren zurück. Neue Arbeit dagegen gibt es im Dienstleistungssektor.

WENIGER VOLLZEITSTELLEN

Bei den sozialversicherungspflichtigen Stellen gab es in den vergangenen Jahren einen immer weiteren Abbau – das führte zu Milliardenlöchern bei den Sozialkassen und zu wachsendem Druck auf die Beiträge. Die Meinungen über den Trend in diesem Jahr gehen auseinander: Während das Ifo-Institut erstmals wieder einen leichten Zuwachs von 50 000 Stellen erwartet, sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nur ein Ende des Abbaus . Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Arbeitsagentur gehört, befürchtet sogar einen Verlust von 200 000 Beitragszahlern. Weiteren Zuwachs dagegen werde es bei den geringfügig Beschäftigten geben, etwa solchen, die einem Mini- Job nachgehen, sowie bei den Selbstständigen. Wie die Bilanz am Jahresende aussehen wird, dürfte auch stark von den Tarifrunden in diesem Jahr abhängen, heißt es beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Sollten die Gewerkschaften hohe Lohnsteigerungen erreichen, könnten weitere Jobs verloren gehen. brö

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