Wirtschaft : „Mehrarbeit für alle bringt nichts“ Forscher kritisiert Arbeitszeit-Debatte

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Berlin Arbeitsmarkt-Forscher haben die Forderungen der Wirtschaft nach pauschal längeren Arbeitszeiten kritisiert. Die Probleme Deutschlands würden damit nicht auf einen Schlag gelöst, sagte Hilmar Schneider, Direktor am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, dem Tagesspiegel. „Es muss um eine Flexibilisierung der Arbeitszeit gehen, nicht um eine pauschale Verlängerung.“

Forscher, Politiker und Verbände hatten längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich und weniger Urlaub gefordert, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen. Schneider sagte, mit solchen ihren Forderungen nutzten die Unternehmen die aktuelle Schwäche der Gewerkschaften aus. Eine Arbeitszeitverlängerung kurbele nicht sofort die Konjunktur an oder schaffe Jobs. Das geschehe erst mittelfristig. Durch eine längere Regelarbeitszeit müssten die Unternehmen weniger für Überstunden ausgeben. Wegen geringerer Kosten könnten die Preise sinken, und es gäbe zusätzliche Nachfrage. Wenn sich die Arbeitnehmer mehr leisten könnten, steige der Wohlstand.

Dennoch sei die Arbeitszeit eher zweitrangig. Das zeigten internationale Vergleiche: In den USA ist die Arbeitszeit pro Kopf Schneider zufolge in den 90er Jahren stetig angestiegen, und mit ihr die Zahl der Erwerbstätigen. In Deutschland seien Arbeitszeit und Beschäftigung zurückgegangen. In den Niederlanden jedoch werde ebenfalls weniger gearbeitet – die Zahl der Erwerbstätigen habe aber zugenommen. Schneider: „Das zeigt, dass andere Kostenfaktoren wichtiger sind.“

Für die Durchsetzung längerer Arbeitszeiten müsse die Wirtschaft in den Tarifverhandlungen selbst sorgen, sagte er. „Der Staat kann nur ein Signal setzen durch längere Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst.“ Die Anhebung der gesetzlichen Maximalarbeitszeit von 48 Stunden wäre nur „ein symbolischer Akt“. brö

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