Mehrwertsteuer : Die Hoteliers jubeln

Die Koalition will den Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent senken.

Kevin P. Hoffmann

Berlin - Deutschlands 120 führende Hotelmanager saßen am Samstagabend zusammen bei ihrer Jahrestagung in Tirols Hauptstadt Innsbruck, als sie die gute Nachricht aus Berlin erreichte: „Da war die Freude natürlich groß. Und wir haben sicher zwei, drei Gläser Rotwein mehr als sonst geleert“, verrät einer der Teilnehmer. Der Satz, der Hoteliers im ganzen Land elektrisiert, steht auf Seite 6 von 124 der Koalitionsvereinbarung. Dort haben die Unterhändler von Union und FDP festgehalten, dass sie den Katalog für ermäßigte Mehrwertsteuersätze überarbeiten wollen. Dabei gelte es auch, die europäische Wettbewerbssituation bestimmter Bereiche zu berücksichtigen, heißt es. Und wörtlich: „Deshalb wollen wir ab dem 1. 1. 2010 für Beherbergungsleistungen in Hotel- und Gastronomiegewerbe den Mehrwertsteuersatz auf 7 Prozent ermäßigen.“

Jahrelang hatte der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga für einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz gekämpft. Das gipfelte im Frühling mit dem Start der Kampagne „Pro 7 %“. Ein Kernargument lautete: 21 von 27 EU-Regierungen haben ihrer Hotellerie bereits den Mehrwertsteuersatz gesenkt. Und in immerhin zwölf EU-Staaten gilt sogar ein reduzierter Satz für die Gastronomie. Dazu kommt es in Deutschland nicht – Restaurantgäste werden auf ihrer Rechnung auch weiter die Angabe „inkl. 19 % MwSt“ finden. Entsprechend lange Gesichter machen die einfachen Gastwirte. „Wir werden uns da einbringen und dafür kämpfen, dass die Wettbewerbsnachteile auch für die Gastronomie wegfallen“, sagte Dehoga Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges am Montag.

Die Hotelmanager überlegen derweil, was sie mit den Zusatzeinnahmen anfangen. Eine einfache Rechnung lautet: Während ein Hotelmanager von einer Übernachtung im Wert von 100 Euro heute nur 81 Euro behalten darf, bleiben ihm ab Januar immerhin zwölf Euro mehr in der Kasse. Werden Übernachtungen also billiger? Hartges dämpfte entsprechende Erwartungen. Der Koalitionsplan könnte lediglich dazu führen, dass die Hotels im kommenden Jahr darauf verzichten, 10 000 bis 20 000 Stellen zu streichen.

Gerade in Berlin versucht die Branche, Hoffungen auf fallende Übernachtungspreise im Keim zu ersticken. Mit rund 110 000 Betten in der Hauptstadt sei die Versorgung und damit der auch der Preisdruck schon jetzt hoch. „Ein Gast bekommt in Berlin, verglichen mit anderen europäischen Metropolen, heute schon sehr viel Wert für wenig Geld“, sagte Berlins Dehoga-Landesgeschäftsführer Thomas Lengfelder. Berlins Gäste und die Stadt insgesamt dürften eher indirekt profitieren, weil die Hotels nun etwas mehr investieren könnten – in Baumaßnahmen und in gutes Personal.

Thomas Brückner, Geschäftsführer des größten deutschen Hotels, dem Estrel in Berlin-Neukölln, will Preissenkungen dagegen nicht ausschließen. 40 bis 50 Prozent der zusätzlichen Einnahmen könne man an die Kunden weitergeben, glaubt er. Mit dem Rest möchte er Investitionen vorziehen. In den vergangenen zwei Jahren habe man schon 500 der 1125 Zimmer renoviert und das Atrium umgestaltet. Fünf Millionen Euro wollte er in den kommenden drei Jahren in die Renovierung der übrigen Zimmer stecken. Gut möglich, dass er die Arbeiten jetzt schneller in Auftrag gibt. „Grundsätzlich bin ich froh, dass die Koalition die Ungleichbehandlungen der deutschen Hotels beenden will“, sagte Brückner. Der Schritt sei längst überfällig gewesen. Kevin P. Hoffmann

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