Mein ERSTES Geld (103) : Große Koalition der Reporter

Wolfgang Schäuble B,esfinanzminister

Als Schüler habe ich beim „Schwarzwälder Boten“ als Lokalberichterstatter für meine Heimatstadt Hornberg gearbeitet. Den Job habe ich von meinem älteren Bruder Frieder übernommen, als der 1956 mit seinem Studium anfing und Hornberg verließ. Ich habe vier Jahre lang über alle Ereignisse in Hornberg geschrieben, bis kurz vor meinem eigenen Abitur. Dabei ging es um Sport, Kultur (etwa beim Jahrestreffen des Gesangsvereins), das Rote Kreuz und natürlich auch um Politik.

Bei der Stadtratsberichterstattung hat mir mein Vater hin und wieder geholfen, der zu dieser Zeit für die CDU im Stadtrat saß. Er war aber der strikten Neutralität verpflichtet – was man schon daran sieht, dass ich mit meinem Kollegen von der Konkurrenzzeitung „Offenburger Tageblatt“ immer wieder auch mal die Durchschläge unserer auf der Schreibmaschine getippten Texte ausgetauscht habe. Und der war bei der SPD! Von parteipolitischem Missbrauch kann also keine Rede sein.

Pro Spaltenzeile habe ich für meine Beiträge acht Pfennig erhalten. Das war gar nicht wenig, immerhin habe ich pro Monat bis zu 2500 Zeilen geschafft, ich glaube à 35 Anschläge. Da kamen dann schon mal 200 D-Mark zusammen. Das Geld habe ich zunächst gespart, um mir davon unter anderem eine Radtour zu finanzieren. Mit zwei Freunden bin ich knapp zwei Wochen lang durch Nordfrankreich, Luxemburg und das Moseltal geradelt. Übernachtet haben wir in der Jugendherberge. Zu mehr hat’s dann damals eben doch noch nicht gereicht.

Wolfgang Schäuble (67) ist Jurist, begann seine Karriere beim Finanzamt Freiburg, sitzt seit 1972 im Bundestag und hat für die CDU viele politische Ämter bekleidet. Seit 40 Jahren ist er verheiratet und hat vier Kinder.

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