Mein ERSTES Geld (117) : Lieber Aktien als Schokolade

Günter Faltin[Gründer der Teekampagne]

Leuchtende Augen sind meist die erste Reaktion, wenn ich erzähle, was meine Großeltern beruflich gemacht haben. Die beiden betrieben nämlich in Bamberg ein Schokoladengeschäft. Als Kind hatte ich also nahezu unbeschränkten Zugriff auf zerbrochene Schoko-Osterhasen und geschmolzene Pralinen. Was wie ein Traum klingt, war mir allerdings ziemlich egal. Aus Süßigkeiten habe ich mir nämlich schon damals nichts gemacht. Mit zwölf Jahren habe ich dann trotzdem angefangen, im Laden mitzuarbeiten. Meine Großeltern erklärten mir, wie man die Buchhaltung macht und fortan verbrachte ich an jedem Wochenende drei bis vier Stunden über Quittungen und addierte Zahlenkolonnen. Da ich mich schon immer für Wirtschaft interessiert habe, war das ein interessanter Job. Verdient habe ich auch nicht schlecht. Dann und wann bekam ich für die Arbeit 100 Mark. Das war damals in den 50er Jahren richtig viel Geld. Da mich Spielzeug oder Eis allerdings genauso wenig interessierten wie Schokolade, habe ich das ganze Geld erst mal weggelegt. Mit 14 hab ich dann meine gesammelten Ersparnisse genommen und in Aktien investiert. Meinem Vater die Erlaubnis dafür abzuringen, war zwar schwer, aber das Risiko zahlte sich aus. Ich habe schöne Gewinne gemacht und schon zwei Jahre später wollte der Direktor meiner Bank wissen, woher ich eigentlich meine Anlagetipps bekomme.

Aufgezeichnet von Moritz Honert

Günter Faltin wurde 1944 geboren und

ist Professor für Entrepreneurship an der

FU Berlin. Vor 25 Jahren gründete er die Teekampagne, die

inzwischen der weltgrößte Importeur von Darjeeling-Tee ist.

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