Mein erstes Geld (147) : Schrubben für den Schreibtisch

Wie haben prominente Menschen oder erfolgreiche Unternehmer ihr erstes Geld verdient? In unserer Serie erinnert sich heute Anne Will, wie sie in den Putzkittel schlüpfte.

Anne Will
Anne Will
Anne WillFoto: dpa

An meinen ersten richtigen Ferienjob kam ich durch einen Zufall. Am letzten Tag vor den Osterferien saß ich nichtsnutzig bei meiner Schulfreundin Doris in Hürth herum, als sie mir erzählte, dass sie in den Ferien für die Gebäudereinigungsfirma ihrer Eltern im Bayer-Werk in Leverkusen putzen würde. Kurzerhand schloss ich mich an. Um 4 Uhr 30 am nächsten Tag fuhren wir los. So früh war ich noch nie aufgestanden. Im Werk angekommen, musste ich mir zunächst einen ziemlich schlecht sitzenden grün-braunen Kittel anziehen und lernte dann meine Vorarbeiterin kennen. Sie hieß Uschi Flecken. „Angeheiratete Flecken“, versicherte sie und lachte. Ich mochte sie gern, die Arbeit allerdings war kein Spaß.

Drei Wochen lang schrubbte ich mit ihr durch etliche Umkleidekabinen, durch frisch renovierte Labore, durch nicht enden wollende geflieste Gänge. Wir benutzten Grundreiniger, ein streng riechendes, salmiakhaltiges Zeug, kratzten auf den Knien rutschend Zementreste weg und schoben Reinigungsmaschinen herum, die sich erst dann leicht halten ließen, wenn man verstand, wie es geht - und das dauerte. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie viel Geld ich für den Job bekam. Sehr viel war es wohl nicht, aber ich weiß, dass ich mir einen Schreibtisch davon kaufte, der noch jahrelang mit mir umzog. Und eines habe ich nie vergessen: Wie es sich anfühlt, hart körperlich zu arbeiten und abends nicht einmal mehr die Kraft zu haben, bis zur Tagesschau wach zu bleiben.

Aufgezeichnet von Moritz Honert

Anne Will (44) moderiert die nach ihr benannte Polit-Talkshow in der ARD. Davor stand sie für die Tagesthemen vor der Kamera. Ihre Freizeit verbringt die gebürtige Kölnerin am liebsten mit Sport und Lesen.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben