Mein ERSTES Geld (161) : Tapeten abreißen fürs Mofa

Lucia Puttrich Hessische Umweltministerin
Foto: picture alliance / dpa

Ich bin auf dem Land groß geworden, in Nidda, das liegt in Hessen. Mein Vater ist Maler- und Lackierermeister und hatte dort einen Handwerksbetrieb. In den Ferien habe ich für die Firma gearbeitet – auf der Baustelle. Das war keine leichte Arbeit. Ich kann mich noch erinnern, wie ich bei einem Altbau sieben Schichten Tapeten abweichen, also entfernen, musste. Die haben sich wie 15 Schichten angefühlt. Ich weiß auch noch, wie ich in einer Schule drei Wochen lang Tiefgrundierung auftragen musste. Auch das war kein Spaß. Die Arbeit hatte aber auch ihre guten Seiten: Sie hat mich bodenständig gehalten. Das lag nicht nur an der Arbeit, sondern auch an den Kollegen. Ich habe meist mit den Lehrlingen zusammengearbeitet, die kamen von der Hauptschule, einer war von der Lernbehindertenschule. Und ich habe eine ordentliche Lohnabrechnung bekommen. Wie viel ich verdient habe, weiß nicht mehr. Aber ich habe in allen Ferien gearbeitet. Von dem Geld habe ich mir ein Mofa gekauft. Das habe ich frisiert, damit es schneller fahren konnte. Mit dem Mofa war ich endlich mobil. Auf dem Land ist das wichtig.

Aufgezeichnet von Heike Jahberg

Lucia Puttrich (49) stieg nach dem BWL- Studium in den elterlichen Betrieb ein. 1995 wurde sie Bürgermeisterin in Nidda, später saß sie für die CDU im Bundestag. Seit August 2010 ist sie Umweltministerin in Hessen.

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