Mein ERSTES Geld (183) : Im Auftrag des Herrn unterwegs

Jan Eder

Ich war 14 oder 15 Jahre alt, als ich in Frohnau Kirchenblätter verteilt habe. Einmal im Monat, um die fünf Stunden hat das gedauert. Wir mussten zuvor die Blätter selbst vervielfältigen, zusammenlegen und -klammern. Ich war mit der Tochter des Pfarrers der Johanneskirche befreundet, und womöglich hat das bei der Auftragsvergabe geholfen.

Als Lohn gab es zwölf Mark, die ich gut für Schallplatten brauchen konnte: Damals war ich ein großer Beatles-Fan. Wenige Jahre später, nach dem Abitur, habe ich fünf Wochen bei der Elektrofirma Saier in Reinickendorf gearbeitet. Über fünf Wochen Wände aufstemmen für die Leitungen. Jeden Abend hatte ich einen schrecklichen Muskelkater von der Bedienung der riesigen Bohrmaschinen. Das war wirklich schwere Arbeit, aber als Schüler musste ich eben die Drecksarbeit machen.

Geschadet hat mir das nicht, und als ich später studierte, war ich ganz schön demütig. Mit dem Geld vom Stemmen konnte ich mir einen Skiurlaub in der Schweiz finanzieren. Ski fahre ich heute immer noch, eine Bohrmaschine benutze ich eher selten. Wenn man meiner Frau glaubt, und man kann ihr immer glauben, dann bin ich handwerklich nicht sehr begabt.

Aufgezeichnet von Alfons Frese

Jan Eder (48) ist seit fast 20 Jahren bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) – er fing nach dem Jura-Studium als Referent dort an. Er stammt aus Helmstedt, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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