Mein ERSTES Geld (19) : Der 100-Mark-Schein

Burkhard Schwenker Geschäftsführer bei Roland Berger

Während meiner Schulzeit in den 70er Jahren habe ich in der Tischlerei meines Vaters gejobbt, um mir ein paar Mark zu verdienen. Ich war 14 und mein Heimatdorf Todtenhausen in Westfalen war ziemlich überschaubar. Mit meinem ersten Geld, einem 100-Mark-Schein, habe ich mir ein Stück Freiheit gekauft: eine Jeans und die dazu passende Jeansjacke. Die Hose hatte einen sehr weiten Schlag – es war 1972 der letzte Schrei – und auf der Jacke waren ein paar lässige Aufnäher. Meine Eltern hätten mir die nie gekauft. Der erste 100-Mark-Schein war mir so wichtig, dass ich meinen Namen draufgeschrieben habe und das Datum: „März 1972“.

30 Jahre später, bei der Umstellung von der Mark auf den Euro, passierte etwas Unglaubliches. Ein „Ziehsohn“ meines Vaters, der die Tischlerei inzwischen übernommen hatte, rief mich Anfang des Jahres 2002 in Hamburg an. „Ich habe da etwas in meiner Kasse, das Dich interessieren wird“, sagte er. Ein Nachbar aus Todtenhausen, das inzwischen nach Minden eingemeindet wurde, hatte bei ihm in der Tischlerei mit einem 100-Mark-Schein bezahlt: Es war der von mir unterschriebene Schein. Drei Jahrzehnte später. Offenbar hatte der Schein nach meinem Jeans-Kauf das Dorf nicht verlassen. Er liegt heute in einer Kommodenschublade in meinem Schlafzimmer.

Aufgezeichnet von Henrik Mortsiefer

Burkhard Schwenker (50) folgte 2003 in der Geschäftsführung dem Namensgeber Roland Berger, der heute den Aufsichtsrat führt. Der gebürtige Westfale Schwenker studierte in Bielefeld Mathematik und Betriebswirtschaft, er promovierte über das Thema Wettbewerb in Dienstleistungsunternehmen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben