Mein ERSTES Geld (218) : Verdienstvolle Nachhilfe

Renate Jaeger war viele Jahre lang Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Auch in Straßburg hat sie noch von ihrem allerersten Job profitiert.

Renate Jaeger
Renate Jaeger leitet sie die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft.
Renate Jaeger leitet sie die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ich habe als Schülerin Nachhilfe gegeben und zwar möglichst in den Fächern, die ich selber nicht so gut konnte. Da wusste ich nämlich genau, wo die Probleme lagen. Angefangen hatte ich mit Mathematik, wo ich alles wusste. Ich konnte daher überhaupt nicht verstehen, warum andere Menschen bestimmte Sachen nicht kapiert haben. Aber in Sprachen war ich nicht so gut, und daher habe ich mich in diesen Fächern gut in meine Nachhilfeschüler hineinversetzen können. Ich habe Englisch und Französisch unterrichtet, damals war ich 16 oder 17 und habe in der Nähe von Köln gelebt.

Von dem Geld, das ich damit verdient habe, habe ich mir eine wunderbare schicke Aktentasche ohne Griff gekauft, die man unter dem Arm tragen konnte – völlig unpraktisch. Im Nachhinein hat sich für mich die Nachhilfe aber noch ganz anders ausgezahlt. Ich habe später in Lausanne Jura studiert, da habe ich Französisch sprechen müssen. Und als Richterin habe ich lange Jahre am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gearbeitet, dort waren die Amtssprachen Englisch und Französisch, also genau meine Nachhilfefächer.

Aufgezeichnet von Heike Jahberg.

Renate Jaeger (71) war Richterin am Bundessozialgericht, am Bundesverfassungsgericht und am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Seit 2011 leitet sie die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft.

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