Mein ERSTES Geld (224) : Die Kirche heizen

Heute ist er Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Doch sein erstes Geld verdiente er in einem Gotteshaus.

Heinrich Alt
Heinrich Alt (62) studierte Politik und Germanistik an der Uni Trier. Von 1998 bis 2000 war er Staatssekretär im Kieler Arbeitsministerium. Seit 2002 ist Alt im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit.
Heinrich Alt (62) studierte Politik und Germanistik an der Uni Trier. Von 1998 bis 2000 war er Staatssekretär im Kieler...Foto: picture-alliance/ dpa

Aufgewachsen bin ich in einer Gemeinde mit 600 Seelen in Rheinland-Pfalz. Meine Familie war so etwas wie die Hausmeisterei der Pfarrkirche, in deren Nähe wir wohnten. Wir kümmerten uns um die Uhr des Kirchturms, stellten Weihnachtsbäume am Altar auf, und nicht zuletzt heizten wir in der kalten Jahreszeit das Gotteshaus, damit die Kirchgänger beim Gottesdienst nicht frieren mussten.

Eine Koksheizung im Keller der Sakristei beherbergte die Brennstoffvorräte und die Feuerung. Als kräftiger 12-Jähriger übernahm ich unter Anleitung und Aufsicht meines 15 Jahre älteren Bruders Richard die Aufgabe des Heizers. Mehrmals täglich musste das Feuer geschürt und Koks nachgelegt werden. Der letzte Kontrollgang war jeden Abend gegen 20 Uhr. Der Ofen wurde bis zum Rand aufgefüllt, etwas Asche aufgebracht und die Lüftung geschlossen, die Glut sollte bis zum nächsten Morgen halten.

Der Weg zur Sakristei führte über den die Kirche umgebenden Friedhof, das war gruselig. Manchen Dorfbewohnern, die vor der Friedhofstreppe abends noch ein Schwätzchen hielten, fuhr gehörig der Schreck in die Knochen, wenn ich vom dunklen Friedhof kommend an ihnen vorbei nach Hause rannte. Filme, die die Arbeit des Heizers auf Dampflokomotiven zeigen, erinnern mich noch heute an meinen Einstieg in die entlohnte Beschäftigung. Ich war stolz auf mein erstes selbst verdientes Geld – 30 DM pro Monat. Anfang der 60er auf einem kleinen Dorf war das ganz schön viel. Der größte Teil wanderte auf mein Sparbuch, davon kaufte ich mir später ein Tonbandgerät von Grundig, um die Hitparade im Radio aufzunehmen.

Heinrich Alt (62) studierte Politik und Germanistik an der Uni Trier. Von 1998 bis 2000 war er Staatssekretär im Kieler Arbeitsministerium. Seit 2002 ist Alt im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit.

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