Mein ERSTES Geld (256) : Mit Schutzanzug zum Atari

Boris Gorella

Mit 16 habe ich bei Reichelt das Lager eingeräumt und Böden gewischt. Das waren meine ersten paar angesparten Mark während der Schulzeit, um mir meinen Traum zu erfüllen, einen Atari-Computer. Der war damals angesagt, konnte auch erste Videospiele, war aber recht teuer, so um die 1000 D-Mark. Mit der Bezahlung bei Reichelt hätte mir das zu lange gedauert. So bin ich dann bei Mercedes in Marienfelde bei der Galvanik, der Metallveredelung, gelandet. Mein Job war es, Ablagerungen mit einer Art Presslufthammer zu entfernen, bevor die Gegenstände ins Tauchbecken kamen. Ich kam mir sehr erwachsen vor. Die Arbeit war auch nicht ungefährlich, alle mussten einen Schutzanzug tragen, es war dunkel, überall waren Dämpfe und ätzende Flüssigkeiten. Dafür gab’s jeden Tag einen halben Liter Milch umsonst, das soll angeblich entgiftend wirken. Arbeitsbeginn war morgens um halb sieben, in dem Alter war mir das definitiv zu früh, aber nachher konnte ich mir meinen ersehnten Atari inklusive „Pac-Man“ leisten. Den Job bei Mercedes habe ich trotzdem nicht noch mal gemacht. Mein Interesse an chemischen Prozessen ist aber bis heute geblieben.

Boris Gorella (47) hat lange im Ausland gearbeitet, insbesondere in Asien. Seit Anfang 2011 ist der promovierte Chemiker wieder in seiner Geburtsstadt Berlin und leitet das Lackunternehmen Beckers Group.

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