Mein erstes Geld (272) : Mit Zauberei zur heißen Schokolade

Eckart von Hirschhausen, Entertainer

Seit meinem achten Lebensjahr war ich begeistert von der Zauberei, übte ständig Kartentricks, Tuchverschwinden und das chinesische Ringspiel. Nach den ersten Karriereschritten Gemeindefest und Kindergeburtstag (Honorar: eine heiße Schokolade) wagte ich mich als junger Medizinstudent auf die Straße. Vielleicht erinnert sich mancher Tagesspiegel-Leser an meine ersten Gehversuche als Entertainer auf dem Ku’damm!

Nun sind ja Berliner per se nicht leicht zu beeindrucken und zum zweiten immer in Eile, damit sie nicht aus Versehen für einen flanierenden Touristen gehalten werden. Auch lassen sich Pointen schlecht schreien. Also malte ich mein Gesicht weiß an und setzte auf Pantomime. Es ist mir heute noch peinlich. Und ich bin froh, dass es damals keine Fotohandys gab.

Straßenzauberei ist wirklich schwer verdientes Geld. Denn so schwer es ist, eine Schar Neugieriger zu versammeln, so schnell ist das ganze Publikum in der Sekunde verschwunden, in der ein Hut erscheint! Magic? Die Zauberei hat mich aber viel gelehrt über die Psychologie der positiven Illusionen bis hin zum Placebo-Effekt. Magie und Medizin verbindet viel. Und wenn ich heute unerschrocken auf eine Bühne oder vor ein Fernsehpublikum trete, verdanke ich das der Tatsache, dass ich vor 25 Jahren üben durfte, mit Versuch und viel Irrtum – ohne Kameras. Oder haben Sie noch ein Bild im Keller?

Aufgezeichnet von Frederike Roser

Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren ist er Komiker, Autor und Moderator, am Donnerstag wieder in „Hirschhausens Quiz des Menschen“

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