Mein ERSTES Geld (34) : Steineschleppen fürs erste Moped

Karl Robl Bau-Hauptgeschäftsführer

Ich bin in Hilpoltstein bei Nürnberg aufgewachsen. In den Sommerferien 1959 – ich war damals noch keine 16 Jahre alt – forderte mich mein Vater dazu auf, das richtige Arbeitsleben kennenzulernen. Er war Zimmererpolier und arbeitete damals auf einer Baustelle in unserer Gegend. Dort verschaffte er mir einen Ferienjob.

Der Gegensatz zu meinem Schulalltag war für mich am Anfang immens groß. Statt über Büchern zu hocken, habe ich Steine geschleppt, beim Anbringen der Schalung geholfen oder auch einfach nur die Brotzeit beim Metzger geholt. Zwischendurch tranken wir alle gemeinsam ein, zwei Bier. Wer nicht mittrank, gehörte nicht dazu.

Insgesamt vier bis fünf Wochen habe ich auf der Baustelle gearbeitet. Am Ende hatte ich 400 oder 500 Mark verdient. Davon konnte ich mir fast ohne Zuschuss ein Moped kaufen. Die restliche Summe gab mein Vater dazu – quasi als Belohnung für mein Durchhaltevermögen.

Auch ich war natürlich sehr stolz, dass ich durchgehalten hatte und auf mein neues Moped ohnehin. Noch glücklicher war ich aber fast wegen der Erfahrung, die ich in dem Sommer gemacht habe. Ich hatte einen vollkommen neuen Menschenschlag kennengelernt und auch festgestellt, dass die Arbeit auf dem Bau sehr abwechslungsreich sein kann. Und dass man am Ende des Tages sehen konnte, was man geschafft hat. Deshalb arbeitete ich nach dem Sommer 1959 immer wieder mal auf einer Baustelle. Nach meinem Abitur schlug ich dann zwar zunächst eine völlig andere berufliche Richtung ein. In den achtziger Jahren kam ich dann zum Bau zurück. Die praktische Erfahrung als Schüler erleichterte mir den Einstieg.

Aufgezeichnet von Yasmin El-Sharif.

Karl Robl (65) ist seit rund zwanzig Jahren Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes. Davor machte der Professor für Betriebswirtschaft Karriere im Hochschulwesen.

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