Mein ERSTES Geld (55) : Der Eiermann

Gert G. Wagner hat einen Lehrstuhl an der TU Berlin und arbeitet für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Wie hat er sein erstes Geld verdient?

Gerd G. Wagner
Wagner
Gert G. Wagner -Foto: Mike Wolff

Mein allererstes Geld verdiente ich beim „Eiermann“. So hatten wir als Schüler Ende der 60er Jahre in einer Kleinstadt in der Nähe des Frankfurter Flughafens einen Händler genannt, der mit Eiern – im wahrsten Sinne des Wortes – dealte. Unser Job war es Eier, die aus Belgien angeliefert wurden, in Kisten umzupacken mit der Aufschrift „Deutsche Eier, Handelsklasse A“. Wir haben damals am eigenen Leib erfahren, dass moralische Bedenken, die wir natürlich hatten, einem selbst für einen niedrigen Stundenlohn abgekauft werden können. Zum Glück mussten wir den Widerspruch zwischen Moral und Mammon nicht lange aushalten, da dieser Eierhandel offenbar doch nicht nachhaltig war. Gelernt habe ich damals mindestens zweierlei: Es gibt jede Menge unangenehme Jobs, und man soll vorsichtig sein, mit Fingern auf andere zu zeigen.

Später als Student habe ich dann als Lokalreporter für die „Frankfurter Neue Presse“ geschrieben. Die Einblicke, die ich auf diese Weise in die Verlogenheit der Welt bekam, haben mir enorm geholfen, beim Berufseinstieg keinen Praxisschock zu erleiden. Es gab Zeilengeld (13 Pfennige pro angefangener Zeile). Davon profitiere ich heute noch: Ich habe keine Angst vor dem leeren Blatt, sondern beeile mich mit dem Schreiben.

Gert G. Wagner (56) hat einen Lehrstuhl an der TU Berlin und arbeitet für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zurzeit lehrt er am Max-Weber-Kolleg in Erfurt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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