Mein ERSTES Geld (8) : Bierflaschen verschlossen

Otto Kentzler

Mit Handwerk hatte mein erster Job nichts zu tun. Mir ging es als 16-Jährigem seinerzeit alleine ums Geldverdienen. Wir hatten ein Klavier zuhause, und ich war dazu verurteilt, Klavier spielen zu lernen. Dazu hatte ich aber keine Lust – die Klarinette war mein Wunschinstrument. Also: Eine Klarinette musste her! Dafür ging ich einen Sommer lang freiwillig sechs Wochen in die Bierkeller der Dortmunder Union-Brauerei. Ende der 50er Jahre verrichteten noch ganze Heerscharen von Hilfsarbeitern die Tätigkeiten, die heute längst Maschinen übernommen haben. Dazu gehörte es, die Bügel der Bierflaschen zu schließen. Die Flaschen kamen aus der Abfüllanlage, wir verschlossen sie mit dem damals üblichen Bügelverschluss. Die Arbeit war anstrengend, das Handgelenk tat schon mittags weh. Davon lenkten immerhin die vielen jungen und sehr freundlichen Damen ab, die um mich herum diesem Job nachgingen. Getrunken haben wir übrigens nie aus den frisch abgefüllten Flaschen. Und ein Deputat wie für die Brauer gab es für mich als Ferienjobber leider nicht. Als Lohn gab es meiner Erinnerung nach etwas mehr als 50 Pfennig pro Stunde. Das reichte, um – auch mit wohlwollender Unterstützung – endlich die begehrte Klarinette zu kaufen. Sie steht noch heute in ihrem ramponierten Schutzkoffer bei mir zu Hause. Ich werde demnächst mal wieder testen, ob ich noch genug Puste habe, das Instrument aus meiner Jugend zu spielen.

Aufgezeichnet von Carsten Brönstrup

Otto Kentzler

Handwerkspräsident

Otto Kentzler, 66, ist Eigentümer des Dortmunder Handwerksbetriebs Kentzler. Seit Ende 2004 ist er Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Kentzler ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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