Mein ERSTES Geld : Tagesspiegel ausgetragen

Stephan Schwarz Berliner Handwerkskammerpräsident

Ich bin im Berliner Südwesten aufgewachsen. Anfang der 80er Jahre war es hier angesagt, einen Roller zu fahren. Ich war damals 15 Jahre alt und hatte mir in den Kopf gesetzt, auch einen fahren zu müssen. Um den Führerschein zu machen, reichte mein Erspartes zwar noch, aber eben nicht für einen Roller. Also entschied ich mich dafür, Zeitungen auszutragen, und zwar den Tagesspiegel.

Die größte Herausforderung dabei war für mich, nachts aufzustehen. Meistens ging es so um vier Uhr morgens los, auch während der Schulzeit. Danach hatte ich drei Stunden Zeit für die rund 100 Zeitungen. Wenn ich mal zu spät dran war, gab es sofort böse Anrufe der Leser. Erschwerend kam hinzu, dass ich mir die Sonderwünsche einiger Abonnenten merken musste. Die einen wollten die Zeitung zum Beispiel gerollt haben, die anderen, dass man sie mit der Faltkante nach außen in den Briefkasten steckt. Immerhin konnte ich damit mein Gedächtnis trainieren.

Außerdem wurde ich ja am Ende eines jeden Monats belohnt. Etwa 300 Mark habe ich damals verdient. So konnte ich mir bereits nach wenigen Monaten den ersehnten knallroten Vespa-Roller leisten. Als ich dann kurz darauf endlich 16 wurde und auch die Sommerferien begannen, nutzte ich die Gelegenheit sofort und fuhr mit dem Roller bis nach Rom – mit einem Freund hintendrauf. Mit 20 oder 30 Stundenkilometern ging es dann den Brenner hoch und mit 120 wieder runter. Mensch, war ich damals stolz.

Aufgezeichnet von Yasmin El-Sharif.

Stephan Schwarz (43) ist seit 2003 Präsident der Handwerkskammer Berlin. Der studierte Historiker leitet zudem den Familienbetrieb GRG Services Group, eine Gebäudemanagementfirma mit 3000 Mitarbeitern.

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