Wirtschaft : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Michael Meier, Manager des Deutschen Meisters Borussia Dortmund.

Er ist zu Recht einer der Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Denn Uwe Seeler ist bis heute für jeden Fußballer ein Vorbild als untadeliger Sportsmann. Natürlich war er auch einer der besten Mittelstürmer, den die deutsche Nationalmannschaft je aufzubieten hatte. Das ist heute allgemeines Gedankengut.

Mich hat an Uwe Seeler noch etwas anderes fasziniert. Neben seinen vielen Toren ist mir vor allem eine Szene im Gedächtnis geblieben, die mich bis heute tief bewegt. Als die deutsche Elf bei der Weltmeisterschaft 1966 in England im Viertelfinale auf den Geheimfavoriten Uruguay traf, kam es zu einem Skandal. Denn die Uruguayer, auch später immer wieder für ihre bisweilen überharte Gangart gefürchtet, verloren beim Stand von 1:0 für Deutschland die Nerven. Troche und Silva flogen vom Platz. Als Horacio Troche dann bei seinem unrühmlichen Abgang an Uwe Seeler vorbei kam, verabreichte er dem deutschen Kapitän eine schallende Ohrfeige. Seeler hat ihn nur angeschaut, den Kopf geschüttelt und ist ruhig geblieben. Unglaublich!

Mit welcher Besonnenheit und Souveränität Seeler diesen Affront hinnahm, war bewundernswert. Umso mehr, wenn man weiß, unter welchem Druck er bei dieser Weltmeisterschaft stand. Denn Seeler hatte sich 1965 in einem Bundesligaspiel einen Achillessehnenriss zugezogen, eine sehr schwere Verletzung, die damals häufig noch das Ende einer Fußballer-Karriere bedeutete. Nicht aber für Uwe Seeler: Mit eiserner Willenskraft schaffte er es zurück auf den Rasen und in die Nationalmannschaft. Und bis heute dürfte er dem damaligen Bundestrainer Helmut Schön dankbar sein. Der setzte im entscheidenden Qualifikationsspiel zur WM in England gegen Schweden auf seinen gerade erst genesenen Stürmer und wurde nicht enttäuscht. Seeler schoss den 2:1-Siegtreffer und Deutschland damit zur WM. Bis heute spricht der Hamburger daher vom „wichtigsten Tor meiner Karriere".

All dies zeigt, wie sehr Seeler sich immer in den Dienst der Mannschaft stellte, Star-Allüren waren ihm stets fremd. Als ihn Helmut Schön 1970 bat, in die Nationalmannschaft zurückzukehren und an der Seite des neuen Torjägers, des jungen Gerd Müller, noch einmal für Deutschland zu stürmen, da hätte manch einer wohl abgelehnt. Schließlich hatte der Hamburger schon 1968 seinen Abschied aus der Nationalmannschaft verkündet. Seeler aber sagte zu, fügte sich klaglos in seine neue Rolle als hängende Spitze und spielte eine überragende WM. Gemeinsam mit Pelé wurde er dafür schließlich sogar noch einmal in die Weltelf gewählt.

Aufgezeichnet von Andreas Kötter

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