Wirtschaft : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Silvia Neid, 111-malige Fußballnationalspielerin, mehrfache Europameisterin (Foto: EM-Sieg 1995) jetzt Kotrainerin der deutschen Frauennationalmannschaft.

Bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko war ich zwar erst sechs Jahre alt, aber ich habe genau registriert, welcher Wirbel um einen der Spieler gemacht wurde. Ich komme aus einer Fußball verrückten Familie und habe mit vor dem Fernseher gesessen und gehört, wie die Kommentatoren „Pelé, Pelé“ gebrüllt haben. Deshalb fand ich ihn damals schon klasse, auch wenn ich natürlich erst später erkannt habe, über welche Fähigkeiten er verfügt. Seine Antrittsschnelligkeit hat mich fasziniert. Und erst dieser Torinstinkt und die Ballbehandlung! Tausendmal hat man ja diesen Fallrückzieher gesehen: Eine Flanke kam, Pelé nahm den Ball volley und lag waagrecht in der Luft. Ich weiß nicht, wann es war und gegen wen, aber das Tor selbst ist mir im Gedächtnis geblieben.

Ich bin dem Ball hinterher gelaufen, seit ich laufen konnte. Bei Weltmeisterschaften haben wir im Garten eine kleine WM gespielt mit Kindern aus der Nachbarschaft, da war ich meistens Brasilien oder Deutschland. Heute haben Mädchen auch Fußballerinnen als Vorbild. Als ich ein junges Mädchen war, gab es Stars wie die Amerikanerin Mia Hamm noch nicht. Frauenfußball war ja gerade erst im Kommen, ich selbst war beim ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft 1982 dabei. Die bekannteste deutsche Spielerin war damals Anne Trabant. Aber sie wurde dann meine Trainerin – da hat man ein ganz anderes Verhältnis. Für seine Trainerin schwärmt man ja nicht richtig. Wir mussten uns Männer als Vorbilder suchen, solche wie Pelé. Abgeguckt für mein eigenes Spiel habe ich ihm aber nichts - sondern meinem Vater und meinem Bruder.

Pelé, meinen WM-Held aus Kindertagen, habe ich übrigens bei der Frauen-Weltmeisterschaft 1991 in China persönlich kennengelernt. Er war bei unseren Spielen und wohnte in unserem Hotel. Abends saßen wir gemeinsam an der Bar. Er ist ein lustiger Typ, nett und zuvorkommend. Er und sein Bodyguard haben uns immer eingeladen. Pelé hat uns Frauen auch den Stuhl zurechtgerückt, wenn wir aufgestanden sind oder uns hingesetzt haben. Ein echter Gentleman eben.

Aufgezeichnet von Helen Ruwald.

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