Memoiren : Alan Greenspan "schwer enttäuscht" von Bush

Alan Greenspans nun erschienene Memoiren werfen ein schlechtes Licht auf die Bush-Regierung.

Greenspan
Sehnsüchtig erwartet: Alan Greenspans Memoiren. -Foto: AFP

Washington - Er war sein Leben lang Republikaner, aber über die Bush-Regierung fällt Alan Greenspan ein vernichtendes Urteil: „Schwer enttäuscht“ sei er von Bushs Finanzpolitik. Der habe freie Hand und die Parlamentsmehrheit gehabt, um die republikanischen Tugenden durchzusetzen: Budgetdisziplin, niedrige Ausgaben, schmale Regierung und Verwaltung. Doch Bush habe das Gegenteil getan. Das Wort des 81-Jährigen hat Gewicht. 19 Jahre war Greenspan Chef der US-Zentralbank und Herr über den Dollar, von Juni 1987 bis Januar 2006. Anderthalb Jahre hat er geschwiegen – und geschrieben.

Seine Memoiren „The Age of Turbulence: Adventures in a New World“ sollen auch das eigene Wunschbild in der Geschichte zeichnen. Sie sind eine Verteidigung, zum Beispiel, gegen den Vorwurf, seine Politik des billigen Geldes sei eine der Ursachen der Blase auf dem Immobilienmarkt samt den schlechten Krediten, die derzeit Börsen rund um die Welt in Turbulenzen stürzen. Die Amerikaner wissen freilich auch: Die niedrigen Zinsen halfen der US-Wirtschaft, sich von der Rezession nach dem Terrorangriff von 9/11 und dem Crash der „New Economy“ an den Börsen zu erholen.

Schlagzeilen in den USA machen vor allem Greenspans Wertschätzung für Bill Clinton und die Deutung des Irakkriegs. Clinton sei wissbegierig und ein guter Zuhörer gewesen. Auch da klingt Kritik an Bush an. Den Irakkrieg, betont Greenspan, habe Bush nicht wegen Öl geführt. „No, no, no“, wird er in Interviews energisch. Verkehrte Welt. Greenspan hatte versucht, der Bush-Regierung klarzumachen, wie wichtig Saddams Sturz für die Weltwirtschaft sei. Nicht in erster Linie wegen Iraks Öl. Sondern weil Saddam aus seiner Sicht versuchte, den wichtigsten Transportweg zu kontrollieren, die Straße von Hormuz im Persischen Golf. Das hätte zu Ölpreisen von 120 Dollar pro Barrel führen können, fürchtete er. Bei Bush drang er damit nicht durch, der konzentrierte sich auf Saddams Waffenprogramme.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben