Wirtschaft : Mercedes-Benz: Kommentar: Mercedes als Volkswagen

Alfons Frese

Ein schönes Auto, sozusagen ein Klassiker mit moderner Technik, ist der Roadster SL von Mercedes. 30 000 Exemplare wollen die Stuttgarter im Jahr verkaufen, 180 000 Mark das Stück. Offenbar gibt es genügend Kunden, die sich das Spaßauto leisten wollen. Jedenfalls kennzeichnen den deutschen Automarkt derzeit zwei Trends: Immer mehr Nischenautos und immer mehr teure Autos. Vom Trend zur höheren Motorisierung profitiert insbesondere die Premiummarke Mercedes. In Deutschland beispielsweise wurden in diesem Jahr bislang mehr Autos der Mercedes C-Klasse als Opel-Astra verkauft: Die gehobene Mittelklasse überholt das Massenmodell, der Mercedes als Volkswagen. Deshalb wird auch voraussichtlich trotz des insgesamt schwachen Inlandsmarktes und der Flaute in den USA der Mercedes-Rekordabsatz des Vorjahres mindestens erreicht werden. Spannend werden die kommenden Jahre: Die ehemals typischen Massenhersteller Ford und VW greifen im Premiumbereich an. Ford vor allem mit Jaguar, Volvo und Land Rover, VW mit dem D 1 aus Dresden und den Marken Bentley und Bugatti. Aus zwei Gründen bauen inzwischen fast alle Hersteller Luxusautos: In keinem anderen Segment gibt es größere Wachstumsraten und in keinem anderen Segment wird so gut verdient. Der Gewinn bei der S-Klasse ist eben wesentlich größer als bei einem VW-Polo. Aber da, wo alle hinwollen, wird es irgendwann eng. Schätzungsweise 80 Milliarden Mark werden in den nächsten Jahren in Premiummodelle investiert. Die Erweiterung der Kapazitäten könnte dazu führen, dass gegen Ende des Jahrzehnts knapp eine Millionen hochwertiger Autos zu viel gebaut wird. Ein enormer Angebotsüberhang, der so manchem Hersteller Probleme machen wird.

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