Wirtschaft : Mercedes hilft Daimler bei der Wende

CHRISTIAN BÖHMER (dpa)

Vom selbstgesteckten Renditeziel aber noch weit entfernt / Fester Dollar hilftVON CHRISTIAN BÖHMER (dpa)

STUTTGART. Daimler-Benz fährt wieder auf der Überholspur.Vor allem der gut laufende Verkauf von Mercedes-Autos sorgt für ein besseres Geschäft.Es kommen im laufenden Jahr mit der A-Klasse, dem Coupe CLK und dem Geländeauto M-Klasse drei neue Modelle heraus ­ die M-Klasse allerdings zunächst nur in den USA.Bei manchen Autos wie dem Zweisitzer SLK kommt der Hersteller wegen eines Nachfragebooms mit dem Produzieren nicht mehr nach. Bei den bisher tiefrote Zahlen schreibenden Nutzfahrzeugen sorgt der neue Schwerlastwagen "Actros" für volle Auftragsbücher.An der Börse hat die Aktie seit Jahresbeginn kräftig zugelegt.Analysten halten einen weiteren Kursanstieg für wahrscheinlich.Und schließlich freut man sich bei dem Automobilproduzenten auch über den festen Dollar.Der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Stuttgart, Jürgen Schrempp, wird bei der Vorstellung des Halbjahreszahlen an diesem Donnerstag (31.Juli) in London auch deshalb wieder einen gestiegenen Gewinn vorweisen.Doch der Daimler-Chef wird selbst davor warnen, nach der überstandenen Krise alles nur noch durch die rosarote Brille zu sehen.Kritische Fragen wird es aber wieder zu dem Kleinwagen "Smart" geben, dessen Produktion demnächst im Elsaß aufgenommen werden soll. Das Großreinemachen ist bei Deutschlands größtem Industriekonzern zwar vorbei.Doch alle verbliebenen 23 Sparten des Konzerns, vom Unimog über die Finanzdienstleistungen bis hin zu den Satelliten, stehen weiterhin auf dem Ertrags-Prüfstand.Der Konzern ist mit seiner Rendite noch nicht in der internationalen Spitzenliga.Die selbst verordnete Schwelle liegt bei zwölf Prozent Verzinsung auf das eingesetzte Kapital ­ im vergangenen Jahr erreichte Daimler erst die Hälfte davon. Für die Mikrolektronik-Tochter Temic, die im vergangenen Jahr bei 2,5 Mrd.DM Umsatz Verluste einfuhr, stehen die Zeichen auf Verkauf.Konzernbeobachter fragen auch sich, ob die Bahntechnik, die im Joint-venture Adtranz zusammen mit ABB geführt wird, langfristig zum Kerngeschäft des Stuttgarter Konzerns gehört. Der Luft- und Raumfahrttochter Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa) profitiert von dem Dollar-Kurs, denn in der Branche werden die Aufträge in der US-Währung abgerechnet.Beim Airbus-Flugzeugkonsortium, an dem die Dasa beteiligt ist, boomen die Bestellungen.Doch bis zum geplanten Umbau zu einer Kapitalgesellschaft 1999 liegt noch ein steiniger Weg.Die gute Auftragslage bei den Flugzeugen und den Autos sorgen bei Daimler wieder für mehr Beschäftigung.Insgesamt werden 1997 rund 2500 neue Jobs geschaffen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar