Mercedes in Berlin : „Wir haben die intelligenteste Business-Limousine der Welt“

Hans-Bahne Hansen, der neue Mercedes-Chef von Berlin, über mehr Firmenzentralen in der Hauptstadt, Carsharing und den Diesel in Zeiten des VW-Skandals.

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Von Amsterdam nach Berlin. Hans-Bahne Hansen hat sein Büro seit September am Salzufer.
Von Amsterdam nach Berlin. Hans-Bahne Hansen hat sein Büro seit September am Salzufer.Foto: Mike Wolff

Herr Hansen, Sie stammen aus Husum, haben aber kürzlich gesagt, Sie fühlten sich „seit Langem in Berlin zu Hause“. Welche Beziehung haben Sie zur Stadt?
Ich bin seit 1998 in Berlin. Damals kam ich mit der Deutschlandzentrale unseres Vertriebs in die Stadt. Hier in Charlottenburg habe ich den zentralen Kundendienst aufgebaut. Und in den vergangenen dreieinhalb Jahren habe ich zwar in Amsterdam gearbeitet und gelebt, aber alle paar Wochen waren meine Frau und ich in Berlin. Unseren Berliner Wohnsitz haben wir behalten.

Wie hat sich die Stadt verändert im Vergleich zu 1998?

Es ist wahnsinnig viel in Bewegung. An allen Ecken wird gebaut, der Verkehr hat zugenommen. Neue Branchen und Berufe kommen in die Stadt und die Start-up-Szene ist sehr rege. In Berlin ist viel los.

Der Berliner Automarkt war, auch wegen des geringen Durchschnittseinkommens, immer schwierig. Wird das besser?
Gegenüber 1998 gibt es heute mehr große Firmen mit ihren Zentralen und die rufen natürlich auch unsere Fahrzeuge ab. Im Premiumsegment waren wir damals schon der Platzhirsch und sind es auch heute noch.

Greifen die Führungskräfte von Internetfirmen wie Rocket oder Zalando nicht eher auf Carsharing-Angebote zurück?

Sowohl als auch. Bei car2go haben wir Zuwächse. Aber es gibt natürlich auch neue Kunden, die Mercedes-Benz Modelle kaufen oder leasen. Gerade im obersten Segment sind wir mit der S- Klasse die unangefochtene Nummer eins und Innovationsführer.

Für das nächste Frühjahr ist das S-Klasse Cabrio angekündigt. Was gibt es darüber hinaus an neuen Modellen?

Im Frühjahr werden wir mit der neuen E-Klasse die „intelligenteste Business-Limousine der Welt“ auf den Markt bringen, die gerade für Berlin sehr wichtig ist – sowohl für unsere angestammten Kunden als auch für den Chauffeur-Bereich und die Taxibranche.

Sind Sie das Auto schon gefahren?

Ich hatte bereits das Vergnügen. Design und Interieur sind super. Wir freuen uns sehr auf das Auto.

Welche Innovationen gibt es?

Mit der E-Klasse gehen wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zum unfallfreien und autonomen Fahren. Sie bietet in allen Bereichen ein völlig neues emotionales Erlebnis, sei es bei den Fahrerassistenzsystemen, beim Infotainment oder beim Design. Im Januar feiert die E-Klasse ihre Weltpremiere auf der Messe in Detroit.

Mit Hilfe der A-Klasse sollte Mercedes jünger werden – hat das geklappt?

Seit der Einführung der neuen Kompaktwagenmodelle wird unsere Marke spürbar jünger. Bei der A-Klasse ist der Anteil von Kunden im Alter von 25 bis 34 Jahren heute dreimal so hoch wie beim Vorgängermodell. Seit ihrem Modellwechsel in 2012 sind die A-Klasse Kunden in Europa rund 13 Jahre jünger. Das Durchschnittsalter unserer Kunden variiert stark von Modell zu Modell und von Markt zu Markt.

Wie macht sich der Smart?

Wir sind sehr zufrieden. Der Wettbewerb und der Preiskampf in dem Segment sind sehr groß, signifikant anders als im Premiumbereich. Im Frühjahr bringen wir das Smart cabrio auf den Markt. Und später kommen die elektrischen Varianten aller Smart-Modelle.

Viele Smarts im Stadtgebiet schmückt das car2go-Logo. Wie entwickelt sich das Carsharing?

Berlin ist eine der größten Metropolen für Carsharing und verfügt europaweit mit 1200 Fahrzeugen über die größte car2go Flotte. Car2go ist trendy und mit dem Smart fortwo haben wir das ideale Fahrzeug für die Stadt. Über Carsharing erreichen wir im Übrigen auch neue Kunden, die sich für unsere Marke begeistern. Alles in allem ist Carsharing zu einer festen Säule unseres Vertriebs geworden.

Als Statussymbol hat das Auto bei jungen Leuten verloren. Gibt es heute 25-Jährige, die sich einen Mercedes kaufen?

Die Begeisterung bei jungen Leuten für Autos ist auch im Zeitalter von Smartphones & Co. ungebrochen, wir verleasen jeden Tag Fahrzeuge an jüngere Kunden.

Auch Elektroautos?

Ja, aktuell haben wir bereits fünf Plug-In Hybrid Modelle vorgestellt, für die es zunehmend Interesse gibt. In 2017 werden insgesamt zehn Modelle mit diesem Antrieb auf dem Markt sein. Ich komme ja gerade aus den Niederlanden, wo der Staat sehr viel Geld investiert hat, etwa Steuervorteile, um den Anteil der Elektroautos zu steigern. Man braucht gleichzeitig aber auch eine ausreichende Ladeinfrastruktur und bei beiden Themen haben wir hierzulande Nachholbedarf.

Was fahren Sie?

Einen S 500 mit Benzinmotor. Das nächste Fahrzeug wird auf jeden Fall ein Plug-In Hybrid.

Hierzulande ist seit ein paar Wochen der Diesel in aller Munde. Leidet der Absatz im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal?

Wir sehen bei Mercedes-Benz keine Veränderung. Manche Kunden sind etwas verunsichert. Wir werden auf jeden Fall alles tun, damit unsere Kunden auch weiterhin volles Vertrauen zu unserer Marke und unseren Produkten haben.

Für die leistungsstärksten Modelle im Mercedes-Programm räumen Sie gerade die Niederlassung am Salzufer um. Was passiert genau?

Am 3. Dezember feiern wie die offizielle Eröffnung des neu gestalteten AMG-Performance-Centers, unter anderem mit ehemaligen Fahrern aus der DTM wie Bernd Schneider, Klaus Ludwig und Ellen Lohr. Auf über 1500 Quadratmetern sind Sektionen einer Rennstrecke inklusive nachempfundener Startaufstellung, Boxengasse und Zielbereich dargestellt. 25 Performance-Fahrzeuge werden zu sehen sein.

Wer kauft diese Rennwagen?

Wir bieten von der A-Klasse bis hin zur G-Klasse fast alle Modelle als AMG Variante an. Entsprechend vielfältig sind auch unsere Kunden, darunter selbstverständlich auch solche, die einen hochmotorisierten AMG-Sportwagen kaufen.

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