Wirtschaft : Mercedes in den roten Zahlen

Sanierungsaufwand für Smart und schwacher Absatz belasten/Trendwende im zweiten Halbjahr erwartet

Alfons Frese

Berlin - Der Sanierungsaufwand bei Smart und Probleme bei Mercedes-Benz haben das Ergebnis von Daimler-Chrysler kräftig gedrückt. Im ersten Quartal blieb nur ein operativer Gewinn von knapp 630 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 1,55 Milliarden Euro gewesen. Die Mercedes Car Group schloss sogar mit einem Verlust von knapp einer Milliarde Euro. Dennoch geht Daimler-Chrysler davon aus, für das gesamte Jahr „ohne die Sonderbelastungen durch Smart einen leichten Anstieg“ des operativen Ergebnisses zu erreichen; im vergangenen Jahr lag das bei 5,75 Milliarden Euro.

Hauptursache für das schwache erste Quartal waren Sonderaufwendungen für die Kleinwagenmarke Smart von 800 Millionen Euro; bis zum Ende des Jahres kommen weitere 400 Millionen Euro hinzu. Im Kern sollen im Rahmen der Smart-Sanierung die Fixkosten um 30 Prozent gesenkt und die Produktivität erhöht werden; die Produktion des Smart- Roadsters läuft aus, der geplante Geländewagen wird nicht gebaut. Dafür soll der für 2007 geplante Nachfolger des Smart fortwo auch in den USA eingeführt werden. In der Böblinger Smart-Zentrale einigten sich Betriebsrat und Geschäftsführung über den Stellenabbau. Den betroffenen 600 Smart-Mitarbeitern sollen alternative Arbeitsplätze im Daimler-ChryslerKonzern und auch freiwillige Aufhebungsverträge inklusive Abfindung angeboten werden. Im Smart-Werk Hambach in Lothringen sind 100Arbeitskräfte betroffen. 2007 soll Smart Gewinn bringen.

Smart bildet zusammen mit Mercedes- Benz und Maybach die Mercedes Car Group, die im ersten Quartal einen Verlust von 954 Millionen Euro einfuhr (Vorjahreszeitraum: plus 639 Millionen Euro). Der Absatz der Marke Mercedes sank von 246000 auf 220000 Fahrzeuge. Absatz- und Gewinnrückgang erklärt der Konzern mit Modellwechseln bei der M- und S-Klasse, der Nachfrageschwäche in Westeuropa, zusätzlichen Aufwendungen für Qualitätssicherungsmaßnahmen, dem starken Euro und hohen Rohstoffpreisen. Nach den Anläufen der M-, B-, R- und S-Klasse rechnet Daimler-Chrysler für die Mercedes Car Group mit einer „deutlichen Verbesserung im dritten Quartal“. Die gleiche Erwartung hat der Nürtinger Autoprofessor Willi Diez. „Das Ergebnis von Mercedes ist eine Enttäuschung, aber keine Überraschung. Im dritten und vierten Quartal wird es besser ausfallen.“

Das meiste Geld verdiente Daimler- Chrysler im ersten Quartal mit Nutzfahrzeugen. Der Gewinn in der Sparte stieg um 166 Prozent auf 714 Millionen. Dagegen lief es bei der Chrysler Group nicht so gut wie vor einem Jahr, der Quartalsgewinn fiel von 303 auf 252 Millionen Euro. Den Rückgang führt das Unternehmen auf geringere Fahrzeugauslieferungen an Händler und die Aufwertung des Dollar zurück. Mit 667000 Fahrzeugen setzte die Chrysler Group mit den Marken Chrysler, Jeep und Dodge drei Prozent weniger Autos ab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar