Wirtschaft : Mercedes plant Stellenabbau

Tausende Jobs gefährdet – keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2012

Carsten Herz (HB)

Stuttgart - Daimler-Chrysler plant angesichts von Absatzproblemen bei der Nobelmarke Mercedes einen größeren Arbeitsplatzabbau in Deutschland. Möglich sei, dass „mehrere tausend Arbeitsplätze“ abgebaut würden, hieß es in Unternehmenskreisen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm sagte am Montag nach einem Gespräch mit Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, in den kommenden Monaten könne über ein Abfindungsprogramm verhandelt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind wegen des bis 2012 geltenden Beschäftigungspakts an den deutschen Standorten jedoch nicht möglich.

Gefährdet seien vor allem Arbeitsplätze in den Werken Bremen, wo die C-Klasse gebaut wird, und Sindelfingen, wo neben der C-Klasse auch die S- und E-Klasse gefertigt werden, hieß es. Eine Sprecherin des Betriebsrates bestätigte Gespräche über „Personalanpassungen“. Noch sei aber nichts entschieden, sagte ein Unternehmenssprecher. Genaueres könnte Mercedes-Chef Eckhard Cordes schon an diesem Donnerstag bekannt geben, wenn er die Quartalszahlen vorlegt. Denn dabei wird er voraussichtlich auch über die Fortschritte seines Effizienzsteigerungsprogramms „Core“ sprechen. Das hatte er im Februar 2005 aufgelegt – mit dem Ziel, den Gewinn der Mercedes-Gruppe bis 2007 um drei Milliarden Euro zu steigern. Schon damals hatte Cordes den Abbau von Stellen nicht ausgeschlossen. Offenbar soll am Donnerstag auch der Aufsichtsrat über die geplanten Stellenstreichungen unterrichtet werden. Am folgenden Tag will sich dann Gesamtbetriebsratschef Klemm zur Beschäftigungssituation des Konzerns äußern.

Einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“, wonach 5000 der insgesamt 180000 Stellen in Deutschland gefährdet seien, wurde allerdings nicht bestätigt. Da die deutschen Mercedes-Mitarbeiter durch den Beschäftigungspakt vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind, muss Cordes den Jobabbau auf freiwilliger Basis umsetzen – etwa durch Vorruhestandsregelungen, Abfindungen und Nicht-Besetzung frei werdender Stellen. Gesamtbetriebsratschef Klemm hofft allerdings, dass die Probleme von Mercedes vor allem durch befristeten Personalaustausch zwischen den Standorten gelöst werden können. Unternehmenskreise halten das jedoch für unrealistisch. Angesichts der schwachen Kundennachfrage gibt es in einigen Werken offenbar zu viele Beschäftigte.

Die Mercedes-Gruppe, einst die Ertragsperle des Konzerns, machte im ersten Quartal dieses Jahres wegen der Sanierungskosten für die Kleinwagenmarke Smart mit fast einer Milliarde Euro den höchsten Verlust der Firmengeschichte. Mercedes-Chef Cordes hat für das zweite Quartal zwar eine Trendwende angekündigt. Analysten erwarten aber, dass Mercedes am Donnerstag erneut rote Zahlen vorlegen wird und der Mutterkonzern Daimler-Chrysler deshalb wieder einen Ertragseinbruch ausweisen wird. Klar ist heute schon, dass die Mercedes-Gruppe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein Absatzminus von 1,9 Prozent verbucht hat.

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