Wirtschaft : Mercedes sitzt die Konkurrenz von BMW im Nacken

Stuttgarter haben ihre erste Modelloffensive hinter sich und müssen nun stärker auf Nischen setzen

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Palma de Mallorca (hz/HB). Dem Platzhirsch MercedesBenz wird es im Wettstreit um die Führungsrolle im Premiumsegment in den kommenden Jahren sehr schwer fallen, sein Revier zu verteidigen. „Sie dürfen versichert sein, dass wir unsere Nummer-Eins-Position nicht so schnell und so einfach aufgeben werden“, sagte zwar Mercedes-Chef Jürgen Hubbert auf Mallorca. Doch Experten glauben, dass die Marke mit dem Stern im Wettstreit mit dem bayerischen Konkurrenten BMW sich künftig mehr anstrengen muss, um noch zusätzliches Absatzpotenzial zu erschließen. Viele Analysten gehen für die kommenden Jahre von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Erzrivalen um die Spitze aus – sehen aber die Stuttgarter weiter vorne.

Der Hintergrund: Im Gegensatz zu BMW hat Mercedes-Benz bereits den ersten Teil seiner Modelloffensive hinter sich und muss künftig mit Crossover-Modellen wie dem neuen Grand Sport Tourer stärker auf nicht-etablierte Marktnischen setzen, um den Absatz weiter nach oben zu treiben. Diese Aufgabe sei jedoch risikoreicher und anspruchsvoller, da die Marke Mercedes-Benz in der Regel Neuland betrete, mahnt Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. BMW dagegen begann erst nach der Trennung vom verlustreichen britischen Autobauer Rover seine Modellpalette auszubauen. Dies trägt nun Früchte.

BMW will nach Worten von Konzernchef Helmut Panke mit seinen drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce nach einem Rekordabsatz von 1,1 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr auch 2004 zulegen. Experten rechnen mit einem Absatz von 1,18 Millionen Fahrzeugen im laufenden Jahr – für die Mercedes-Gruppe erwarten sie dagegen etwa 1,3 Millionen Autos. BMW sei auf gutem Wege, das Ziel zu erreichen „der weltweit erfolgreichste Premiumhersteller“ zu werden, lautet allerdings die Kampfansage von BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal. Bis 2008 wollen die Bayern den Absatz auf 1,4 Millionen Autos pro Jahr katapultieren – die Mercedes Car Group peilt dagegen im Laufe des Jahrzehnts eine Steigerung auf 1,8 Millionen an, darunter allerdings etwa 300000 Kleinwagen vom Typ Smart.

Tatsächlich sehen Experten durch den Eintritt der Bayern in neue Marktsegmente den Absatz von BMW in den nächsten Jahren in neue Höhen treiben. Die aktuelle Modelloffensive von Mercedes ist dagegen vor allem durch den Ersatz einer hohen Zahl von bereits Mitte der 90er Jahre auf den Markt gebrachten Fahrzeugtypen wie der A-Klasse, einem Facelift der C-Klasse, einer neuen Baureihe der M-Klasse und des Roadsters SLK gekennzeichnet. Doch Mercedes hat auch Chancen. Denn die A-Klasse und die M-Klasse zählten bislang zu den unrentabelsten Produkten der Marke. Mit der Ablösung beider Modelle durch neue Baureihen im laufenden Jahr erhält der Autokonzern jetzt die Gelegenheit, die Profitabilität der beiden Modelle deutlich zu steigern.

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