Merckle : Die Familie ist aus dem Geschäft

Adolf Merckle hat vor seinem Freitod alle nötigen Unterschriften geleistet und damit ein letztes Mal die Weichen gestellt. Seine eigenen vier Kinder und auch unmittelbare Vertraute aus seinem Umfeld werden bei der Sanierung des Firmengeflechts auf Drängen der Banken keine Rolle spielen.

Martin-W. Buchenau (HB)

Stuttgart - Ludwig Merckle erhielt als ältester Sohn zwar eine Generalvollmacht seines Vaters, scheidet aber aus der Geschäftsführung der VEM Vermögensverwaltung aus, in der die wesentlichen Beteiligungen der Merckles zusammengefasst sind. Die Banken hatten gefordert, dass den jetzt angekündigten Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm ein Treuhänder durchführt, der von den Banken und der VEM bestimmt wird.

Der 43-jährige Ludwig Merckle gilt als der Geschäftstüchtigste unter den vier Kindern von Adolf und Ruth Merckle. Dennoch stand er stets im Schatten des Vaters, dessen Ansprüchen auch er nicht gerecht wurde. Die Vollmacht zeigt aber, dass er ihm noch am meisten vertraute.

Schon länger aus dem Spiel ist Philipp Daniel Merckle. Er musste im Frühjahr 2008 nach nur kurzer Zeit an der Spitze von Ratiopharm den Chefposten auf Geheiß des Vaters räumen. Seit der Abberufung hat sich der 42-Jährige immer mehr von seinem Vater distanziert – zuletzt sehr deutlich, als er auf dem Höhepunkt der Krise erklärte, sein Vermögen nicht als Sicherheit für die Banken zur Verfügung stellen zu wollen. Seit dem Ausscheiden bei Ratiopharm drängte er auf die Trennung des Familienvermögens.

Offen ist auch die Zukunft von Heidelberg-Cement-Chef Bernd Scheifele. Er sollte nach den inzwischen hinfälligen Plänen von Adolf Merckle auch Chef einer Holding mit den wichtigsten Beteiligungen werden. Der Patriarch hatte damit Scheifele seinen eigenen Söhnen vorgezogen. Eine Tatsache, die vor allem dem gleichzeitig abberufenen Sohn Philipp Daniel schwer zu schaffen machte. Auch Scheifele dürfte wegen der Vorbehalte der Banken als ehemals rechte Hand von Merckle künftig nichts mit der Verwertung der Beteiligung zu tun haben.

Merckles jüngster Sohn Tobias, 37, hat seit längerem einen anderen Weg gewählt als seine Brüder. Der Diplom-Sozialpädagoge engagiert sich für jugendliche Straftäter. Er leitet bei Stuttgart eine Einrichtung des freien Strafvollzugs. Doch auch er ist am Firmenimperium beteiligt. Er sitzt im Familienbeirat, im Aufsichtsrat von Heidelberg Cement und hat nach eigenen Angaben noch weitere Posten inne.

Merckles Ehefrau Ruth und seine Tochter Jutta blieben bislang im Unternehmen stets im Hintergrund. Allenfalls der Form halber traten sie bei der ein oder anderen Firma als Gesellschafter auf. Martin-W. Buchenau (HB)

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