Wirtschaft : Merkel als Genossin der Bosse

Auch Schröder-Freund Wiedeking kam zum Dinner / Umfrage: Manager setzen auf Regierungswechsel

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Berlin Gerhard Schröder galt als „Genosse der Bosse“, Helmut Kohl suchte dagegen nicht gerade die Nähe der Wirtschaftslenker: Wie Angela Merkel als Kanzlerin mit Unternehmern umgehen würde, zeigte sie am Donnerstagabend bei einem Abendessen in Berlin.

In den „China Club“ neben dem Hotel Adlon hatte sie geladen, bis in die späten Abendstunden hockte sie mit rund zwei Dutzend Topmanagern zusammen. Mit dabei auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der als Freund des amtierenden Bundeskanzlers gilt. Beschlüsse oder Vereinbarungen gab es offenbar nicht, sondern die CDU-Politikerin machte deutlich, dass sie vor allem zuhören wollte. Von „einem intensiven Meinungsaustausch ohne Agenda“ war zu hören.

„Das war ein Signal“, heißt es aus den Reihen ihrer Gesprächspartner. „Sie hat sich sehr interessiert und aufgeschlossen gezeigt. Und sie hat sich auch viele Notizen gemacht.“ Außerdem habe die Kandidatin unterstrichen, dass sie an solchen Runden festhalten möchte.

Neben Wiedeking kamen unter anderem auch Michael Diekmann, der Vorstandschef des mächtigen Allianz-Finanzkonzerns, ferner Mercedes-Chef Eckhard Cordes, West-LB-Chef Thomas Fischer und dessen Kollege von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Siegfried Jaschinski. Von keinem der Unternehmen war eine Stellungnahme zu erhalten. Man hält sich die Sache noch offen, auch wenn eine Allensbach-Umfrage belegt, wie sehr sich Führungskräfte den Einzug Merkels ins Kanzleramt wünschen. 68 Prozent der 500 für „Capital“ befragten Entscheider in Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind für die Herausfordererin, 27 Prozent für Schröder.

Allerdings bezweifeln 61 Prozent der Führungselite, dass die Union gut auf die Regierungsübernahme vorbereitet ist, genauso viele, wie sich von Merkel eine „echte politische Zäsur“ erhoffen. 76 Prozent fordern eine „radikale Reformpolitik“, und 66 Prozent halten „tiefe Einschnitte in das soziale Netz“ für nötig.

53 Prozent der Elite bevorzugen eine schwarz-gelbe Koalition, 30 Prozent wünschen sich eine absolute Mehrheit für die Union, und nur 16 Prozent sind für eine große Koalition.

Wunschkandidaten in einem Kabinett Merkel sind der CDU-Politiker Friedrich Merz als Finanzminister (74 Prozent) und Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer als Wirtschaftsminister (36 Prozent). Während Merz wohl keine Chancen haben dürfte, hatte zumindest der „Spiegel“ jüngst behauptet, von Pierer habe Chancen auf das Ministeramt. Pierer, seit über drei Jahrzehnten CSU-Mitglied, könne in den Wahlkampf eingebunden werden. Festgelegt habe sich von Pierer, der sich derzeit im Auftrag von Bundeskanzler Schröder um ausländische Investitionen in Deutschland kümmert, bisher jedoch nicht.mod/pvs

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