Wirtschaft : Merkel kriegt ein neues Handy

Die Kanzlerin eröffnet die Cebit in Hannover. Unternehmen sind noch auf dem Weg in die Cloud.

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Berlin - Rein beruflich hat Angela Merkel mit Teilen – dem Leitmotiv der diesjährigen Cebit in Hannover – nichts am Hut. Jedenfalls nicht, was die Kommunikation per Handy betrifft. Denn sowohl für die Bundeskanzlerin als auch für andere Regierungsmitglieder ist es unabdingbar, dass vertrauliche Informationen vertraulich bleiben. Smartphones waren für sie deshalb bislang ein Problem: Entweder kann man damit sicher telefonieren oder sicher E-Mails versenden – beides gleichzeitig ist Experten zufolge technisch unmöglich. Künftig soll jedoch auch ein deutsches Regierungsmitglied nur mit einem einzigen Gerät auskommen.

Die Telekom-Tochter T-Systems und der Sicherheitsspezialist Secusmart sollen nämlich ein neues sicheres Kommunikationssystem aufbauen. Sie sollen jeweils etwa die Hälfte von fast 10 000 sicheren Geräten liefern, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet. Aufs iPhone als Diensthandy werden Geheimnisträger wohl auch künftig verzichten müssen. Die Telekom nutzt für ihre Simko3 (Sichere mobile Kommunikation) Samsung Galaxy S2 und S3. Secusmart bietet das neue Blackberry- Modell Z10 an. Blackberry kämpft nach Verlusten von Marktanteilen um seine Zukunft. Der Zuschlag der deutschen Regierung ist wichtig fürs Prestige, weil er auch das Vertrauen der Wirtschaft zurückbringen könnte. Für etwa 2500 Euro das Stück sollen Unternehmen die Hochsicherheitstelefone kaufen können.

Merkel warb derweil in ihrer wöchentlichen Videobotschaft vor Beginn der IT-Messe dafür, dass Start-up-Firmen in Europa einen einheitlichen Rahmen vorfinden. Die Idee sei, „man weiß, egal wo man in Europa hinkommt, wie man ein kleines Internetunternehmen, ein Start- up, gründen kann, und hat die gleichen Gründungsbedingungen“. Berlin kristallisiert sich als ein europäisches Zentrum für Gründungen heraus. Die jungen Unternehmer kritisieren aber, dass Deutschland schlechtere Rahmenbedingungen biete als die USA. Dabei geht es vor allem um die Attraktivität für Risikokapitalgeber, die nach erfolgreichem Start zweistellige Millionenbeträge für das notwendige Wachstum zur Verfügung stellen.

Am Montagabend sollte Merkel die Messe gemeinsam mit Donald Tusk, Premierminister des diesjährigen Partnerlandes Polen, eröffnen. Zwei Themen bestimmen die bis Sonnabend laufende Cebit. Neben dem genannten Teilen von Wissen, Ressourcen und Gegenständen mithilfe des Internets – unter dem Kunstwort „Shareconomy“ zusammengeführt – ist wie im vergangenen Jahr das Cloud Computing ein Schwerpunkt. Dabei geht es um das Sammeln von Daten wie Musik, Fotos oder Geschäftsprozessen auf zentralen Servern, die von überall auf der Welt zugänglich gemacht werden.

Die Vorsicht der Deutschen beim Datenschutz ist auch in der Wirtschaft erkennbar. „Cloud Computing verändert derzeit die Geschäftsmodelle, die Kostenstrukturen der Unternehmen sowie die Anwenderszenarien“, sagt Christian Illek, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. Im internationalen Vergleich sei die Entwicklung hierzulande bis zu 18 Monate hinterher. Doch kommt an den Diensten nach Auffassung des Managers kein Unternehmen mehr vorbei.

Das liegt nicht zuletzt an der rasanten Verbreitung von Smartphones und Tablet-Computern, die praktisch ständig mit dem Internet verbunden und durch Cloud-Dienste synchronisiert sind. Nach Angaben des IT-Verbands Bitkom, wird der Umsatz mit Tablet-Computern 2013 erstmals den von klassischen Personal Computern erreichen. Insgesamt werden die Erlöse aus Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik auf 154,3 Milliarden Euro wachsen – und damit weniger stark als vermutet. Der Bitkom korrigierte seine Prognose von 1,6 Prozent um 0,2 Prozentpunkte nach unten. mit dpa

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