Wirtschaft : Merkel setzt auf heimische IT-Experten Kanzlerin ist gegen stärkere Zuwanderung

Frankfurt am Main - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der deutschen IT-Branche vage Hoffnung auf eine Öffnung des Arbeitsmarktes für Computerspezialisten gemacht. „2008 werden wir überlegen, in welchen Bereichen wir noch mal über Zuwanderung reden müssen“, sagte sie beim zweiten IT-Gipfel in Hannover. Um die bisher erreichten Fortschritte auszubauen, werde nächstes Jahr ein weiterer Gipfel stattfinden – voraussichtlich in Darmstadt. Vorerst forderte Merkel die Branche jedoch zur Selbsthilfe auf: Sie müsse eigene Fachkräfte weiterbilden und den Menschen die Furcht nehmen, „dass man einen IT-Beruf nur bis 40 ausüben kann“.

Die Bundesregierung hatte zu dem Gipfel eingeladen, um mit über 400 Fachleuten aus Wirtschaft und Politik über die Zukunft der InformationstechnologieBranche (IT) in Deutschland zu beraten.

Bundeskanzlerin Merkel benannte gestern auch den künftigen Bundesbeauftragten für Informationstechnologie, Innenstaatssekretär Hans Bernhard Beus. Er soll die IT-Aktivitäten der Ministerien koordinieren und Ansprechpartner für Wirtschaft und Ausland sein. „Weisungsbefugnis hat er sicher nicht“, stellte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) klar.

Der Präsident des Branchenverbandes Bitcom, August-Wilhelm Scheer, kritisierte, Deutschland schaffe es weder, ausreichend Venture-Capital anzuziehen, noch, die nötige Industriepolitik zu machen. In den USA sei es möglich, „dass ein IT-Unternehmen wie Youtube 500 Millionen Dollar erhält“.

Schützenhilfe erhielt er von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie unterstützte die Forderung der Branche nach besseren Möglichkeiten, IT-Fachkräfte auch aus dem Ausland zu holen, wenn der Bedarf nicht mit deutschen Fachkräften zu decken sei.

Die Branche beschäftigt hierzulande rund 770 000 Menschen. Derzeit fehlen Experten zufolge 43 000 Computerspezialisten. Gleichwohl bilden nur vier von zehn Firmen aus. Die Branche und der BDI fordern eine Senkung der Einkommensgrenze für hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland, die heute bei 85 000 Euro liegt. Vor dem Gipfel hatte Bitkom-Chef Scheer betont, der Fachkräftemangel führe zu volkswirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe. „Jetzt müssen wir wirklich Gas geben", sagte der Chef eines großen IT-Dienstleisters. jkn (HB)

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