Wirtschaft : Merrill Lynch: Alles in Ordnung

BERLIN (jhw).Die Investmentbank Merrill Lynch hat ihren Doppel-Auftrag im Berliner Wassergeschäft gerechtfertigt.Die Banker reagieren damit auf den Vorwurf, sie seien gleichzeitig Ratgeber von zwei verschiedenen Seiten.Merrill Lynch berät zum einen das Land Berlin bei der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe (BWB).Zum anderen bereiten sie als wichtigste Bank den Börsengang der britischen Azurix vor, die sich um den Kauf der Anteile beworben hat.Der Tagesspiegel hatte über die mögliche Interessenkollision berichtet.In einem Brief vom Mittwoch nimmt Europachef Michael Marks Stellung: "Wir hoffen deshalb sehr auf Ihr Verständnis, daß die Fortsetzung beider Mandate im Interesse aller Beteiligten ist, da sie nicht kollidieren und die Vertraulichkeit in beiden Fällen gewahrt ist."

Sein Haus habe das Beratungsmandat des Landes Berlin "im September/Oktober 1998" erhalten.Bevor das Institut den Auftrag angenommen habe, sei überprüft worden, ob es schon ein Mandat eines potentiellen Käufers gehabt habe.Diese Kontrolle werde weltweit durch eine separate Abteilung vorgenommen.Zu diesem Zeitpunkt war dies nicht der Fall.Im Dezember wurde die Bank dann vom US-Konzern Enron beauftragt, den Börsengang seiner Tochter Azurix vorzubereiten.Seinerzeit sei der geplante Börsengang vertraulich gewesen, stellt Marks fest.Außerdem, so behauptet der Europa-Chef der Investmentbank, sei erst am 13.März bekannt geworden, daß Azurix/Enron an den Endverhandlungen bezüglich der BWB-Privatisierung teilnehmen würde.

Aber daß Azurix sich beworben und großes Interesse an den BWB-Anteilen hatte, stand schon wochenlang fest.Trotzdem informierte Merrill Lynch erst am 16.März die Senatsverwaltung für Finanzen.Am 18.März folgte die schriftliche Bestätigung."Es bleibt festzuhalten, daß aufgrund des Vertraulichkeitsschutzes beide Projektteams bis zum 15.März von einer sensiblen Situation nichts wissen konnten und daß danach die Mandanten umgehend informiert wurden", schreibt Marks.Daß freilich die Azurix-Bewerbung schon längere Zeit bekannt war, verschweigt der Verfasser des Briefes.

"Nichtsdestotrotz ist eine sensible Situation entstanden, die möglichen falschen und bösartigen Unterstellungen Tür und Tor öffnet", konstatiert Marks.Dies gelte "nicht nur für uns", sondern "häufig" auch für andere global tätige Investmentbanken.Vertreter solcher Wettbewerber bestätigten indes, sie hätten an der Stelle von Merrill Lynch eines der Mandate niedergelegt.Diese Absicht allerdings hegt Merrill Lynch nicht - die Bank will beide Aufträge fortsetzen.Denn, so Marks: "Eine Mandatsniederlegung würde auf jeden Fall zu einer Verletzung des Kundeninteresses führen, die wir - und auch andere Investmentbanken - mit der Unternehmensphilosophie des Kundenfokus nicht vereinbaren können."

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