Merrill-Lynch : Zehn Milliarden Verlust in drei Monaten

Die US-Investmentbank Merrill-Lynch verbucht einen tragischen Minus-Rekord. Regierung und Notenbank wollen helfen.

Stefan Kaiser
Merrill Lynch
Reisen Pleite: Merrill Lynch. -Foto: dpa

Berlin /New York Die Serie schlechter Nachrichten aus der amerikanischen Finanzbranche reißt nicht ab. Am Donnerstag meldete die Investmentbank Merrill Lynch für das vierte Quartal 2007 einen Verlust von fast zehn Milliarden Dollar, der sie auch im abgelaufenen Gesamtjahr tief in die roten Zahlen stürzt. Die Bank musste im vierten Quartal nochmals 11,5 Milliarden Dollar (7,8 Milliarden Euro) allein wegen fauler Hypothekenkredite abschreiben. Insgesamt summieren sich ihre Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise bisher auf 23 Milliarden Dollar.

Die Ergebnisse seien völlig inakzeptabel, sagte der neue Merrill Lynch-Chef John Thain am Donnerstag in New York. Dem Fernsehsender CNBC sagte Thain, er könne nicht garantieren, dass Merrill weitere Abschreibungen im Zuge der Hypothekenkrise verhindern könne.

Die Investmentbank verbuchte 2007 insgesamt einen Verlust von 7,8 Milliarden Dollar . Im Vorjahr hatte sie noch 7,5 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Die Zahlen fielen deutlich schlechter aus als von Analysten erwartet. Die Aktie rutschte zum Handelsstart in New York um 2,1 Prozent ins Minus.

Die großen US-Banken haben bisher weit über 100 Milliarden Dollar wegen der Kreditkrise abgeschrieben. Die heftigsten Wertverluste erlitt die Citigroup, größte Bank des Landes. Experten befürchten, dass die Finanzkrise stärker auf die übrige Wirtschaft durchschlägt als bisher angenommen und die USA sogar in eine Rezession abrutschen könnten.

Die amerikanische Regierung und die mächtige Notenbank Fed zeigten sich am Donnerstag entschlossen, gegenzusteuern. US-Präsident George W. Bush sei der Ansicht, dass kurzfristig Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur erforderlich seien, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto. Bush wollte im Tagesverlauf mit Kongressabgeordneten beider Parteien über Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft sprechen. Notenbank-Chef Ben Bernanke sagte vor einem Ausschuss des Kongresses, er unterstütze Bushs Pläne. Bernanke bekräftigte seine Bereitschaft zu „substanziellen Schritten“, um einer drohenden Rezession entgegenzuwirken. Damit deutete er erneut deutliche Zinssenkungen an.

Der wirtschaftliche Ausblick habe sich weiter verschlechtert, sagte Bernanke. Die Abwärtsrisiken für das Wachstum hätten sich verstärkt. Auch die Lage auf den Finanzmärkten bleibe fragil. Nach Bernankes Rede rutschte der wichtigste US-Aktienindex Dow Jones deutlich ins Minus und zog auch den deutschen Leitindex Dax mit nach unten. In Deutschland war am Donnerstag erneut der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Thema an der Börse. Die Aktie, die am Dienstag wegen überraschender Wertberichtigungen um 35 Prozent abgestürzt war, lag zwar leicht im Plus. Für Unruhe sorgte jedoch die Meldung, dass die Finanzaufsicht Bafin mögliche Verstöße gegen die Veröffentlichungspflicht prüft.

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