Messe Berlin : Im zweiten Anlauf an die Spitze

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer sucht mit dem Aufsichtsrat einen neuen Chef für die landeseigene Messegesellschaft. Ihre Vorgängerin Sybille von Obernitz war dabei gestürzt.

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Senatorin Cornelia Yzer bemüht sich um das Einvernehmen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Messe.
Senatorin Cornelia Yzer bemüht sich um das Einvernehmen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Messe.Foto: dapd

Berlin - Auf ein Neues. Für die Besetzung des Chefpostens bei der Messe Berlin läuft der zweite Versuch, in vier Wochen will der Aufsichtsrat einen neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellen. Und geht dabei auf Nummer sicher. Von einem „unangreifbaren Prozess“ und einem „einzigartigen Auswahlverfahren“ ist die Rede im Aufsichtsrat. Am Montag und Dienstag gab es Bewerbungsgespräche, bis Ende nächster Woche sollen drei bis fünf Favoriten ausgewählt werden, deren Tauglichkeit für den Job dann auch noch von einer neutralen Personalberatung getestet wird.

Der besondere Aufwand erklärt sich durch den missglückten ersten Versuch. In den Wirren des Such- und Auswahlverfahrens war vor zwei Monaten die damalige Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) gestolpert. Ihre Nachfolgerin Cornelia Yzer (CDU) bemüht sich nun um ein anderes Vorgehen und setzt dabei auf das Einvernehmen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Messe, dem Philips-Manager Hans-Joachim Kamp. Der wiederum hat akzeptiert, dass nun vier Mitglieder des Aufsichtrats, neben Kamp und Yzer sind das Klaus Feiler, Staatssekretär in der Senatsfinanzverwaltung sowie Ellen Funk, Betriebsratsvorsitzende der Messe Berlin, die Bewerbungsgespräche führen. Im ersten Verfahren hatte Kamp allein die Kandidaten getroffen und anschließend dem Aufsichtsrat eine fünfköpfige Liste mit seinen Favoriten vorgelegt.

Obernitz missfiel die Aufstellung unter anderem deshalb, weil auf den ersten Plätzen keine Frau war. Sie initiierte daraufhin eine weitere Ausschreibung inklusive einer Zeitungsanzeige. Das Inserat mit der Überschrift „Vorsitzende(r) der Messe Berlin GmbH“ erboste die Messeführung, weil die Anzeige wider die Gepflogenheiten den Auftraggeber nicht anonymisierte und darüber hinaus auch noch mitten in die Internationale Funkausstellung platzte, wo die Führungskrise der Messe plötzlich das beliebteste Thema war. Obernitz räumte dann zwar einen Formfehler ein und bot an, die Kosten der Anzeige zu übernehmen. Doch das konnte die unglückliche Senatorin nicht mehr retten. Ihre Nachfolgerin versucht, es nun besser zu machen. Unter anderem mit einer anonymen Anzeige.

Vor zwei Wochen erschien das Inserat mit der Überschrüft „Vorsitzende/r der Geschäftsführung“; die Rede ist von der „Übernahme der Gesamtverantwortung bei einer der bedeutendsten Messegesellschaften“. Diesmal sind die Bewerbungen zu richten an die Personalberatung Homberg Neff Consult – das ist derselbe Dienstleister, den einst auch Messe-Aufsichtsratschef Kamp beauftragt hatte. Obernitz hatte der Firma misstraut und Egon Zehnder beauftragt.

In der neuen Anzeigen werden, ebenso wie in der Zehnder-Anzeige, „Frauen ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert“. Yzer und Kamp wollen diesmal unbedingt den Anforderungen des Berliner Gleichstellungsgesetzes genügen.

Raimund Hosch, seit mehr als 13 Jahren Vorsitzender der Geschäftsführung der landeseigenen Messegesellschaft, geht Mitte nächsten Jahres in den Ruhestand. Ginge es nach Hosch, dann würde sein Ko-Geschäftsführer Christian Göke sein Nachfolger. Göke (Jahrgang 1965) ist auch Kamps Favorit. Bei dem früheren Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) und in der Belegschaft der Messe gab und gibt es Vorbehalte gegen den forschen Göke. Auch wird bezweifelt, ob der im Vergleich zu Hosch eher undiplomatisch agierende Messemanager im Gespräch mit dem Messeeigentümer – also den Vertretern des Landes Berlin – den richtigen Ton findet. Wie heißt es so schön in der Stellenanzeige: „In der Schnittstelle zum Gesellschafter stehen Sie für eine transparente, abgestimmte und nachvollziehbare Geschäftspolitik.“

Und doch ist Göke Favorit. Denn nach dem Theater vor zwei Monaten gibt es nun weniger Bewerber für den Spitzenjob in der komplizierten Berliner Szene, bei dem auch die Bezahlung limitiert ist. Hosch bekommt rund 500 000 Euro im Jahr, bei der letzten Bewerbungsrunde hatten Kandidaten Vorstellungen, die um einige hunderttausend darüber lagen. Das aber ist im armen Berlin an der Spitze einer landeseigenen Gesellschaft nicht vermittelbar. Alfons Frese

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