Messe : Im Rollstuhl ans Steuer

Die weltgrößte Messe ihrer Art zeigt in Düsseldorf technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen.

Keyvan Dahesch
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Technischer Helfer. Ein Roboterarm liest Wünsche von den Augen ab. Foto: ddpddp

Düsseldorf - Der Rollstuhl mit einem integrierten Roboterarm liest die Wünsche seines Benutzers von dessen Augen ab. „Friend“ (Freund) heißt der technische Assistent, den das Institut für Automatisierungstechnik (IAT) der Universität Bremen entwickelt hat. Der Roboter ist einer der Höhepunkte der Messe „Rehacare International“, die noch bis zum Wochenende in Düsseldorf stattfindet. 706 Aussteller – 249 aus dem Ausland – präsentieren seit Mittwoch Produkte und Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung und chronischen Krankheiten. Die Messe ist die weltweit größte ihrer Art. England, Dänemark und die USA sind mit eigenen Ausstellungen vertreten.

Eine weitere Neuheit ist die Kombination eines batteriebetriebenen Autos mit einem Rollstuhl. Es erlaubt Rollstuhlfahrern, bequem und vor Wind und Wetter geschützt mit 45 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit unterwegs zu sein. Die Reichweite beträgt bis zu 120 Kilometer. Der Rollstuhlfahrer gelangt eigenständig durch die Hecktür in das Gefährt, dockt sich an – und schon kann es losgehen. Um die Batterien aufzuladen, braucht es sechs bis acht Stunden. Der „Cruiser“ wird als führerscheinpflichtiges „Vierradmoped“ eingestuft und bietet mit rund zwei Metern Länge und 1,50 Breite Platz für einen Rollstuhlfahrer.

Motorisch eingeschränkten und stummen Menschen erlauben neue elektronische Kommunikationshilfen mehr Unabhängigkeit. Die Geräte bilden mehr als 10 000 Symbole ab und helfen Stummen mit vordefinierten Benutzeroberflächen dabei, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Eine integrierte Umfeldsteuerung ermöglicht die Bedienung von infrarotgesteuerten Geräten wie Hifi-Anlagen, TV-Geräten oder Lichtanlagen. Optionale Verbindungen per Wireless LAN, Bluetooth und ein Mobiltelefon erweitern das Spektrum an Kommunikationsmöglichkeiten: E-Mail, SMS oder Telefon. Als Extra gibt es eine integrierte Kamera und Fingerführungen für das berührungsempfindliche Display.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Selbsthilfe Behinderter und chronisch Kranker, die 91 Verbände mit einer Million Mitgliedern vertritt, forderte in Düsseldorf Erleichterungen und mehr Transparenz bei der Versorgung Behinderter mit technischen Hilfsmitteln. Die Gesundheitsreform verhindere dies, sagte BAG- Geschäftsführer Martin Danner. Der Wettbewerb dürfe sich nicht am niedrigsten Preis, sondern an der Qualität orientieren. Nach den geltenden Bestimmungen sollen Krankenkassen bestimmen, welche Hilfsmittel ihre Versicherten ohne Zuzahlungen bekommen. „Die Umstellung der Hilfsmittelversorgung auf ein Einzelvertragssystem führt zu Intransparenz und birgt Qualitätsrisiken“, warnte Danner. Versicherte hätten keinen Überblick, welche Krankenkasse zu welchen Konditionen Verträge mit Anbietern abgeschlossen habe.Keyvan Dahesch

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