Wirtschaft : Metall-Tarifgespräche vor Teileinigung

alf/uwe

Metallgewerkschaft und Arbeitgeber ringen weiter um einen Abschluss ohne Streik. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sagte nach einer dreitägigen Vorstandssitzung seiner Gewerkschaft in Magdeburg, dass sich bis Ende der kommenden Woche entscheiden werde, ob es zu einem Arbeitskampf komme. Metallarbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser sagte dieser Zeitung, dass er eine Chance sehe, am Ende der kommenden Woche zumindest beim Einstieg in einen gemeinsamen Entgeltrahmen (ERA) für Arbeiter und Angestellte "auf die Zielgerade zu kommen." Dies sei "die Voraussetzung für alles andere".

Die Tarifverhandlungen unter anderem für den Bezirk Berlin Brandenburg wurden gestern ohne Ergebnis vertagt: Rund 100 000 Beschäftigte beteiligten sich an Warnstreiks, in Berlin und Brandenburg nahmen rund 150 Metaller an einer Kundgebung teil.

Zwickel machte mit seinem Terminplan deutlich, dass die Metallgewerkschaft den Anspruch auf die Tarifführerschaft nicht aufgibt. Die Tarifexperten der Chemieindustrie hatten zu Beginn der Woche gesagt, dass sie gegen Ende der kommenden Woche einen Abschluss machen wollen. Die Chemiegewerkschaft gilt als deutlich moderater als die IG Metall. Würde sie den ersten Abschluss machen, wäre das eine Niederlage für die Metallgewerkschaft, weil sie dann ihre höhere Forderung kaum noch durchsetzen könnte. Wohl aus diesem Grund drückt Zwickel auf das Tempo, um ebenfalls in der kommenden Woche eine Situation zu haben, in der sich über Abschluss oder Arbeitskampf entscheiden lässt.

Gesamtmetallpräsident Kannegiesser beurteilte die Frage, ob es in der kommenden Woche die Chance auf einen Abschluss für alle Bestandteile der Tarifrunde geben könne, zurückhaltend: "Da bin ich sehr skeptisch. Bei der Lohnzahl und der Laufzeit des Vertrages wird es sehr schwierig." Es sei erst dann sinnvoll, in diesen Fragen konkret zu verhandeln, wenn die Einigung bei dem geplanten gemeinsamen Entgeltrahmentarif ERA weitgehend stehe. Vorher werde es auch kein Verhandlungsangebot der Arbeitgeberseite geben. Kannegiesser geht davon aus, dass die Verhandlungspartner für das Gesamtpaket mehr Zeit brauchen.

Offenbar sind die Metalltarifparteien bei ihren Gesprächen über einen gemeinsamen Entgeltrahmen für Arbeiter und Angestellte inzwischen in einem konkreten Verhandlungsstadium. Bei der Gewerkschaft und bei den Arbeitgebern gilt der Vorschlag des baden-württembergischen Bezirksleiters Berthold Huber als Favorit: Huber möchte den gemeinsamen Lohn für Arbeiter und Angestellte dadurch finanzieren, dass für mehrere Tarifrunden Einmalzahlungen vereinbart werden, die für den Ausgleich möglicher Lohndifferenzen ausgegeben werden.

ERA soll die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten aufheben. Schon heute machen Arbeiter und Angestellte oft die gleiche Arbeit. Dennoch werden sie unterschiedlich bezahlt. Die Gehaltsunterschiede sollen ausgeglichen werden, dafür soll ein Teil des Gesamtvolumens der Tarifrunde ausgegeben werden.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sagte gestern der Nachrichtenagentur Reuters, dass er nicht davon ausgehe, dass ERA in diesem Jahr schon etwas koste. Deshalb gebe es für die Metallgewerkschaft keinen Grund, von ihrer Forderung von 6,5 Prozent abzuweichen.

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