Wirtschaft : Metall- und Elektroindustrie verlieren an Bedeutung

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Die chemische Industrie, der Kraftwagenbau und die Ernährungsindustrie sind aus dem Strukturwandel der deutschen Industrie in den 90ern als Sieger hervorgegangen. Metallverarbeiter, Maschinenbau und Elektrotechnik hingegen fielen zurück, ihr Anteil an der Wertschöpfung der Industrie ist von 1991 bis 1999 gesunken. Das stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem neusten Wochenbericht fest. Danach ist das Gewicht der Industrie (ohne Bau) in der Gesamtwirtschaft zu Gunsten der Dienstleister deutlich gesunken: Statt 27 Prozent der Erwerbstätigen (1991) beschäftigt sie heute nur noch 23 Prozent. Gleichzeitig fiel ihr Anteil an der Wertschöpfung von 28 Prozent auf 25 Prozent.

Ihren Absatz konnten allerdings alle sechs Branchen ausweiten: Hier liegt der Kraftwagenbau mit einem Plus von 10 Prozent pro Jahr von 1993 bis 1999 unangefochten an der Spitze - er konnte die höchsten Preissteigerungen durchsetzen. Chemie und Maschinenbau folgten mit 3,5 Prozent. Elektrotechnik und Metallverarbeitung expandierten nur unterdurchschnittlich, die Ernährungsindustrie bildet mit zwei Prozent das Schlusslicht. Im Zuge der Internationalisierung und der anhaltenden Ausgliederung von Dienstleistungen haben alle Branchen mehr Teile ihrer Produkte zugekauft. Gleichzeitig ist die Lohnquote, also der Anteil der Lohnkosten am Wert des Produkts, auf breiter Front gesunken.

Die einzelnen Branchen haben sich aber sehr unterschiedlich in diesem Rahmen bewegt: So reduzierten der Kraftwagenbau und die Chemieindustrie ihre Lohnquote zwar jeweils um rund vier Prozent jährlich und damit etwa doppelt so schnell wie die Industrie insgesamt. Doch bei den KfZ-Herstellern kam das durch deutlich mehr Vorleistungen zustande, während sie die Produktivität nur durchschnittlich steigerten - die Chemieindustrie hingegen setzte auf Rationalisierung beim Arbeitseinsatz. Das Ergebnis: Die Lohnstückkosten in der Chemie sind mit 2,5 Prozent jährlich stark gesunken, die Zahl der Beschäftigten sogar um gut dreieinhalb Prozent. Die Lohnstückkosten der Kfz-Produzenten hingegen sind im Zeitraum 1993 bis 1999 sogar leicht gestiegen, das Personal wurde um 1,7 Prozent jährlich aufgestockt. Eine steigende Beschäftigung registrierten die Ökonomen sonst nur in der Ernährungsindustrie. Der Maschinenbau habe seine Produktion kaum ausweiten können, die Zahl der Erwerbstätigen ging fast so stark zurück wie in der Chemieindustrie. Dank der deutlich gesteigerten Produktivität - auch hier liegt der Maschinenbau mit plus von 4,3 Prozent pro Jahr auf Platz zwei hinter der Chemie - habe die Branche aber auf dem Markt für qualitativ hochwertige Produkte gut verdient. Die Bruttoüberschussquote, ähnlich wie die Umsatzrendite ein Mass für die Rentabilität, erreichte den höchsten Wert aller sechs Branchen, es folgten die Chemie und der Kraftwagenbau. Unterdurchschnittlich entwickelten sich nach dem DIW-Vergleich das Metallgewerbe und die Elektroindustrie: Beide Branchen konnten den Absatz nur schwach steigern und auch die Produktivität nicht einmal halb so stark wie die Industrie insgesamt erhöhen. Gleichzeitig blieb der Rückgang der Lohnquote relativ schwach. Zwar hätten sich die Branchen bemüht, die Effizienz zu steigern. Es sei ihnen aber nicht gelungen, das Renditeniveau zu erhöhen. Das zeige deutlich die Bruttoüberschussquote, die im Gegensatz zu allen anderen Branchen zurückging: Drastisch fiel das Minus mit jährlich fast zehn Prozent in der Elektrotechnik aus, bei den Metallverarbeitern waren es gut minus zwei Prozent.

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