Metalle : Wenn es an Tantal fehlt

Seltene Metalle sind knapp: BDI und Umweltbundesamt streiten über sichere Versorgung mit Nachschub

Dagmar Dehmer
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Berlin - Die Schwachpunkte für die Industrieproduktion der Zukunft tragen Namen wie Tantal, Indium oder Neodym. Diese Rohstoffe haben gemeinsam, dass sie selten sind, womöglich vorwiegend in politisch instabilen Ländern vorkommen oder überhaupt nur in ein oder zwei Ländern zu finden sind. Für moderne High- Tech-Produkte sind sie aber bisher kaum oder gar nicht zu ersetzen. Auf die Frage, wie die deutsche Industrie an diese Rohstoffe auch in Zukunft herankommt, gibt es unterschiedliche Antworten. Und da endet auch die Einigkeit zwischen dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), der Komission der Europäischen Union und dem Umweltbundesamt (UBA).

Am Dienstag stellte Ulrich Grillo, Chef der Grillo-Werke AG, die Sicht des BDI auf das Problem dar. Ihm geht es vor allem darum, dass die Rohstoffe für alle Wettbewerber weltweit zu gleichen Bedingungen zur Verfügung stehen. Das soll aus Grillos Sicht die Politik gewährleisten. Dazu müssten Handelsbeschränkungen für Rohstoffexporte bekämpft werden, in der Entwicklungshilfe müssten Investitionen in die Rohstoffsicherheit berücksichtigt werden, und die Kartellbehörden müssten bei Unternehmenszusammenschlüssen von Bergbauunternehmen verhindern, dass Kartelle entstehen. Im übrigen sieht Grillo Gefahren für die Rohstoffsicherheit in Deutschland in Naturschutzgebieten, in denen aus seiner Sicht ein Abbau von Rohstoffen möglich sein müsse. Das Ziel der Bundesregierung, die Rohstoffeffizienz bis 2020 zu verdoppeln, hält der BDI für „überambitioniert und nicht gerechtfertigt“.

Kristine Koch vom UBA sagt dagegen, Ziel einer „nachhaltigen Rohstoffstrategie“ müsse sein, „mit weniger Rohstoffen auszukommen“. In seiner Stellungnahme zur EU-Rohstoffstrategie verlangt das UBA, auch die Umweltauswirkungen des Rohstoffabbaus zu berücksichtigen. Recycling halten BDI und UBA für wichtig, um die Abhängigkeit von Rohstoffeinfuhren zu vermindern. Grillo sagt, schon heute verarbeite die deutsche Industrie zu 54 Prozent recyceltes Kupfer. Nach BDI-Angaben beträgt die Quote bei Edelmetallen sogar mehr als 95 Prozent. Dagegen lassen sich seltene Elemente wie Tantal oder Indium aus Kleingeräten wie Mobiltelefonen kaum zurückgewinnen, weil es bisher nicht wirtschaftlich ist, heißt es beim UBA.Dagmar Dehmer

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