Wirtschaft : Metaller sollen mehr lernen

Das finden auch die Unternehmen der Branche – aber sie wollen keinen Anspruch auf Weiterbildung, wie ihn die IG Metall fordert

Moritz Döbler

Berlin - Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie engagieren sich in der Weiterbildung stärker als andere Branchen, lehnen aber die von der IG Metall geforderten tarifvertragliche Regelung in diesem Bereich klar ab. Das belegt eine repräsentative Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die am heutigen Montag in Berlin vorgestellt wird und dem Tagesspiegel in zentralen Auszügen vorliegt. Weiterbildung ist ein wichtiger Punkt in der angelaufenen Tarifrunde der Branche. Neben fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 3,4 Millionen Beschäftigten fordert die IG Metall einen förmlichen Anspruch auf Weiterbildung.

Jedes zweite der mehr als 2000 befragten Unternehmen lehnt aber eine solche Regelung ab, und nur 13 Prozent halten sie für eine Möglichkeit der gezielten Personalentwicklung. Knapp zwei Drittel der Unternehmen sehen dagegen ihre Mitarbeiter in der Verantwortung, „sich zur Sicherung ihrer Beschäftigungsfähigkeit künftig verstärkt auf eigene Initiative weiterzubilden“, heißt es in der Studie des als arbeitgebernah geltenden Instituts. Jedes zweite Unternehmen hält es für schwierig, Weiterbildung innerhalb der Arbeitszeit zu organisieren.

Die IG Metall ficht das nicht an. „Das ist die Sicht der Unternehmen, die allein entscheiden wollen, wen sie zur Weiterbildung schicken, ob nach Nasenlänge oder anderen Kriterien“, sagte Sprecher Georgios Arwanitidis dem Tagesspiegel. Die Lohnforderung und die Weiterbildung seien in der aktuellen Tarifrunde „mindestens gleichwertige Fragen“.

Dabei ist die Branche bei der Weiterbildung vorn: Mehr als 87 Prozent der Unternehmen engagieren sich hier, das sind drei Prozentpunkte mehr als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, hat das IW ermittelt. Fast die Hälfte der acht Milliarden Euro, die die gesamte deutsche Industrie jährlich für Weiterbildung aufwendet, gehen demnach auf das Konto der Metall- und Elektrobranche. Allerdings werden in der Studie auch indirekte Kosten – etwa für die aufgewandte Arbeitszeit – eingerechnet.

Die Aktivität der Unternehmen steigt mit ihrer Größe. Bei Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern bieten 86,5 Prozent Weiterbildung an, während es bei über 500 Mitarbeitern 96,4 Prozent sind. In größeren Unternehmen kommt es häufiger zu Lehrveranstaltungen und ist die Weiterbildung stärker formalisiert. Am weitesten verbreitet sind „arbeitsplatznahe und selbst gesteuerte Lernformen“, heißt es in der Studie. „Damit wird der bereits seit langem beobachtete Trend zu anwendungsnahen Weiterbildungsformen in Betrieben erneut bestätigt.“

Umschulungen landen dagegen weit abgeschlagen auf dem letzten Platz: Nur 7,5 Prozent der Unternehmen der Branchen sind hier vertreten, während das „Lernen in der Arbeitssituation“ von 83,6 Prozent genannt wird. Darunter verstehen die Unternehmen Unterweisungen oder Schulungen am Arbeitsplatz durch Kollegen oder Vorgesetzte. Das „selbst gesteuerte Lernen mit Medien“ (81,5 Prozent) bedeutet überwiegend die Lektüre von Fachzeitschriften und -büchern. Doch diese beiden am meisten genannten Formen entsprechen den Vorstellungen der IG Metall kaum.

Am morgigen Dienstag starten die Verhandlungen im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg sowie in Berlin und Brandenburg. In der vorigen Woche hatte die Tarifrunde zunächst in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland begonnen, dann auch in Bayern, Nordrhein- Westfalen und Norddeutschland. Dort wird im März wieder verhandelt.

Der von der Gewerkschaft verlangte Tarifvertrag für Innovation und Qualifizierung sei grundsätzlich sinnvoll, sagte Gernot Nerb, Chefvolkswirt des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), am Wochenende der dpa. Es sei zu beobachten, dass die Nachfrage nach qualifiziertem Personal wieder steige. Solche Forderungen kosteten aber Geld und seien bei einem Tarifabschluss entsprechend mitzubewerten. Die Fünf- Prozent-Forderung halte er dabei ohnehin für überzogen, sagte Nerb. „Das ist auf jeden Fall über der Marke, die sich ökonomisch rechtfertigen lässt von der Produktivitätsentwicklung her.“ Bereits im Jahr 1995 habe die Kombination aus deutlichen Lohnsteigerungen sowie einer Aufwertung der D-Mark der Wirtschaftsentwicklung geschadet. Angesichts der augenblicklichen Dollarschwäche bestünden Ähnlichkeiten mit der damaligen Lage.

In der Union gibt es indes durchaus Stimmen für spürbare Lohnerhöhungen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) nannte es am Wochenende „mehr als berechtigt“, dass die Arbeitnehmer einen Anteil an den Gewinnen gut verdienender Industriebranchen beanspruchten. Sein Parteifreund Michael Glos, der Bundeswirtschaftsminister, hatte jüngst ähnlich argumentiert. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bietet bisher 1,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt, was die Gewerkschaft als „nicht verhandelbar“ zurückgewiesen hat. Einen eigenen Tarifvertrag zur Weiterbildung lehnt Gesamtmetall ab.

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