Wirtschaft : Metaller-Streik erreicht Berlin

In der nächsten Woche wird der Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche auf die Region ausgeweitet

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Berlin (alf). Im Tarifkonflikt der ostdeutschen Metallindustrie stellen sich die Beteiligten auf einen langen Arbeitskampf ein. Nach Sachsen, wo der Arbeitskampf vergangene Woche begann, wird voraussichtlich vom 17. Juni an auch im Ostteil Berlins und in Brandenburg gestreikt. Die MetallArbeitgeber bekräftigten trotzdem ihre strikte Ablehnung eines Stufenplans zu 35 Stunden nach dem Vorbild der Stahlindustrie. Vergangenen Sonnabend hatte sich die IG Metall mit den Stahl-Arbeitgebern auf die Einführung der 35-Stunden-Woche bis 2009 geeinigt. Hartmann Kleiner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg, sagte am Dienstag, „ein ähnlicher Abschluss wie in der Stahlindustrie ist für unsere Branche ausgeschlossen“. Dagegen bezeichnete der IG-Metall-Verhandlungsführer Hasso Düvel den Stahl-Kompromiss als „Pilotabschluss“. Er erwarte nun von den Metall-Arbeitgebern ein verhandlungsfähiges Angebot. „Wir sind gesprächsbereit“, sagte der Gewerkschafter. Der Fahrplan zur 35-Stunden-Woche für die 9000 Stahlarbeiter „beflügelt auch die Kollegen in der Metall- und Elektroindustrie“, sagte Düvel. Mit rund 310000 Arbeitnehmern ist dieser Wirtschaftsbereich deutlich größer als die Stahlbranche.

Im Ostteil Berlins und in Brandenburg hatte die IG Metall 4531 Mitglieder in 42 Betrieben zur Urabstimmung über einen Streik aufgerufen. Knapp 79 Prozent stimmten für den Arbeitskampf. Am kommenden Montag wird nun der Vorstand der IG Metall entscheiden, wann der Streik beginnt. Stark betroffen wären vermutlich das Daimler-Chrysler-Werk in Ludwigsfelde sowie der Autozulieferer ZF Brandenburg. Nach Angaben des regionalen Metallverbandes arbeiten in Brandenburg und im Ostteil Berlins 46500 Personen in 610 Metallbetrieben, die zurzeit einen Umsatz von knapp 530 Millionen Euro im Monat erwirtschaften. Dagegen komme die sächsische Metallindustrie auf 3,2 Milliarden Euro und Baden-Württemberg sogar auf 14,7 Milliarden Euro. Weil die Branche so schwach sei, könne ein Großteil der Betriebe die geltenden Tarifverträge nicht mehr erfüllen. Nur 15000 Arbeitnehmer in 82 Firmen erhalten nach Angaben des Arbeitgeberverbandes im Ostteil Berlins und in Brandenburg noch Tariflohn; die überwiegende Mehrheit bleibe darunter.

Verbandsgeschäftsführer Hartmann Kleiner bedauerte zwar das Urabstimmungsergebnis der Gewerkschaft, blieb aber gelassen. Die Arbeitgeber sehen auch mit der Erweiterung des Streiks von Sachsen auf Berlin-Brandenburg keine Veranlassung, der IG Metall ein Angebot vorzulegen. „Auf der Ebene unserer Vorschläge kann man verhandeln“, sagte Kleiner dieser Zeitung. Die Arbeitgeber hatten bis zum Scheitern der Verhandlungen eine Art Sachverständigenrat vorgeschlagen, der die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Arbeitszeitverkürzung eruieren sollte. Düvel hatte das abgelehnt, weil die Metaller endlich etwas „Greifbares“, also einen festen Fahrplan zur 35-Stunden-Woche wollten.

Als mögliches Vorbild für die Metallbranche ist Kleiner zufolge die Textilindustrie besser geeignet als die Stahlindustrie: In der Textilbranche hatte die IG Metall Ende vergangenen Jahres einen Stufenplan zu Angleichung der Tariflöhne bis 2007 vereinbart; die Wochenarbeitszeit von 40 Stunden wird bis dahin festgeschrieben.

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