Wirtschaft : Metaller verhandeln über die 35-Stunden-Woche Arbeitgeber fürchten Politisierung der Tarifrunde

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Berlin (dpa/Tsp). Im Tarifkonflikt um die 35Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie treffen sich IG Metall und Arbeitgeber an diesem Montag in Potsdam zur ersten zentralen Verhandlungsrunde. Diesem Gespräch sind neun erfolglose regionale Treffen und Warnstreiks in der vergangenen Woche vorausgegangen. An den Arbeitsniederlegungen beteiligten sich laut der Gewerkschaft rund 13 500 Metaller in Berlin, Brandenburg und Sachsen.

Die Verhandlungen finden in einer politisch aufgeheizten Atmosphäre statt: An diesem Wochenende hatte der designierte neue IG-Metall-Chef Jürgen Peters angekündigt, die Arbeitnehmer würden sich mit einem radikaleren Kurs bei Tarifauseinandersetzungen wehren, wenn die Bundesregierung unverändert an der Reformagenda 2010 festhalte (siehe Lexikon, Seite 17). Die Arbeitgeberseite fürchtet nun, dass die Auseinandersetzung um die Arbeitszeit in Ostdeutschland bereits unter politischen Vorzeichen geführt wird.

Die Gewerkschaft fordert die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche für die 310000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in den neuen Ländern. Bisher arbeiten sie drei Stunden mehr als im Westen bei nahezu gleichem Gehalt. Die hohe Beteiligung an den Warnstreiks zeigte nach Ansicht von IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel die Bereitschaft der Metaller, für die Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit zu kämpfen. Die Arbeitgeber lehnen eine kürzere Arbeitszeit ab. Sie verweisen darauf, dass die Ost-Produktivität niedriger sei und mit der 35-Stunden-Woche der letzte Standortvorteil für die neuen Länder verloren ginge.

Das Treffen in Potsdam gilt als eine Vorentscheidung für das weitere Vorgehen der Gewerkschaft. Für den 20. Mai hat die IG Metall eine gemeinsame Sitzung ihrer Tarifkommissionen für Berlin, Brandenburg und Sachsen nach Leipzig einberufen. Diese entscheiden, ob eine friedliche Lösung möglich ist oder gestreikt wird.

Düvel erinnerte daran, dass die Metall-Tarifparteien bereits im Verhandlungsergebnis der Tarifrunde 2002 vereinbart hätten, in diesem Jahr über eine schrittweise Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit zu verhandeln. Der Gewerkschafter erneuerte im Vorfeld das Angebot, die 35-Stunden-Woche schrittweise und in drei Geschwindigkeiten – differenziert nach Ertragslage der Unternehmen – einzuführen.

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